Indien Tag 5: Rikscha-Trip durch Old Delhi

Nach dem prallvollen Tag in Agra gehen wir es etwas ruhiger an. Spätes Frühstück und dann erst mal ein ausgedehnter Walk durch den wundervollen Lodi Garden. Und nachmittags wartet das nächste Abenteuer auf uns.

Unsere Gastgeberin – Spitzname Sandmann – wohnt in einem der schönen Delhi-Viertel. Überhaupt, kurzer Exkurs: Sie ist Korrespondentin und wohnt über ihrem Arbeitsplatz, zusammen mit einem Kollegen und dessen Lebensgefährtin, offenes Haus, hübsche Dachterrasse. Um die Ecke ist eine Bank, ein Blumenstand, ein Zigarettenwagen und ein klitzekleiner Supermarkt, in dem man alles bekommt. Wenn nicht heute, dann wird es schnell besorgt. Das Viertel ist bewacht, nach 22 Uhr kann man nur noch durch ein Tor – ähem, die zuständigen Security-Leute liegen dann nachts schonmal da und schlafen… nun gut. Tagsüber kommen auch Bettler und Straßenkinder ins Viertel. Die sind krass – reißen einem förmlich die Einkäufe aus den Händen. Dennoch ist alles ein bisschen ruhiger, entspannter, sauberer.

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Der Lodi Garden ist direkt nebenan. Wir gehen durch dichte Bambuswäldchen, unter Palmen, blühenden Bäumen. Im ganzen Park sind riesige Grabstätten und Moscheen aus der alten afghanischen Lodhi-Dynastie, die im 15. Jahrhundert hier das Sagen hatte.

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Zwischen den Gebäuden große Wiesenflächen. Die Leute hängen entspannt ab, Pärchen sitzen unter den Bäumen, hier und da ein Jogger, Schulklassen beim Mittagsausflug.

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Eine grüne Lunge im smog-verseuchten Delhi – auch hier nimmt man den Dunst wahr, obwohl es hier bei weitem besser riecht als mittendrin im Verkehr. Sandmann sagt, wer sich hier die Nase putzt, sollte keinen Schrecken bekommen. Die Rede ist von „Black Bugs“ – mehr muss ich her nicht sagen. Lieber noch ein hübsches Bild 🙂

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Auf der Rikscha ins Getümmel

Anthony kennt einen Fahrradrikschafahrer. Der hat den Auftrag, uns sicher durch Old-Delhi zu kutschieren und uns den Gewürzmarkt und weitere Sehenswürdigkeiten zu zeigen. Er nimmt seinen Job ernst, bietet sein ganzes Englisch auf um uns immer wieder zu sagen: Passt auf eure Sachen auf und bleibt in meiner Nähe, wenn wir absteigen.

Ich habe meine SLR zu Hause gelassen und illustriere diesen Tag mit Handyfotos/videos.

Wieder ist es laut und eng. Der Rikschafahrer kurvt durch den Verkehr – hier passen kaum Autos durch, hier sind Moped, Rikscha und die eigenen Füße das geeignete Fortbewegungsmittel.

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Die engen Gassen sind voller Geschäfte. Ganze Straßenzüge nur mit Essen, mit Dekokram, mit Stoffen, mit Gewürzen, mit Saris.

saris

Krass ist die Verlegung der Elektrik. Die Kabel hängen außen und sind irgendwie zusammengepfriemelt – Kurzschlüsse und Stromausfälle sind hier normal.

Wir steigen beim Gewürzmarkt ab. Man riecht es schon. Hier kommen die tollen Gewürzmischungen her, die so charakteristisch für die indische Küche sind. Currymischungen, Chili, Pfeffer, Kardamom, Zimt, Sternanis….

Wir gehen in ein Haus, in dem es noch intensiver nach Gewürzen riecht. Gehen ein enges Treppenhaus hinauf, Chilistaub legt sich auf unsere Atemwege, wir husten – zusammen mit den Leuten, die hier arbeiten.

Dann sind wir ganz oben auf dem Haus und schauen über die Dächer der Altstadt und auf das Herz des Gewürzmarkts hinunter.

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Außerhalb dieses recht ruhig wirkenden Hinterhofs ist Trubel. Hierzu habe ich auch ein Bewegtbild im Zeitraffer vorbereitet 🙂

Old Delhi Spice Market from team flötenfrosch on Vimeo.

Und schon gehts wieder runter – hust hust – und ein weiterer Hyperlapse-Clip.

Treppenhaus in Old Delhi from team flötenfrosch on Vimeo.

Unten laufen wir noch einmal ganz um den Markt herum. Es kitzelt in der Nase.

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Die Händler sitzen vor ihren Containern, manche Arbeiter halten ein Nickerchen. Auf den Gewürzsäcken. Oder einfach auf einer Matte. Hier hab ich einen erwischt, wenn auch nur die Füße.

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Andere preisen ihre Ware an. Säckeweise. Wir lehnen dankend ab und gehen ganz unten in einem Gewürzladen einkaufen. Kleine Tütchen. (Habe bereits mein erstes Butter Chicken Masala gekocht).

Nächste Station: eine Moschee. Nicht irgendeine, sondern die größte Moschee Indiens und eine der größten der Erde. Die Jama Masjid-Moschee, die, „die auf die Welt blickt“. Und das kurz vor Sonnenuntergang. Wir müssen uns sputen, denn Frauen dürfen nach Sonnenuntergang nicht mehr dort sein. Wir also durch die Sicherheitsschleusen die Treppe hoch. Auf der Treppe sitzen Leute. Auch Leprakranke, die betteln. Einer hat keine Nase mehr.

Oben müssen wir die Schuhe ausziehen, bekommen einen langen Kittel, zahlen Eintritt und betreten den riesigen Vorhof – fast 90 Meter sind es bis zum Herzstück der Moschee.

moschee

Wir verweilen ein bisschen dort, nicht zu lange, denn schließlich ist ja die Sonne so gut wie weg und wir sind auch langsam bereit für den Heimweg.

Unser Rikschafahrer bringt uns zur nächsten U-Bahnstation. Das letzte Abenteuer des Tages beginnt: Zwei Europäerinnen im indischen Underground. Wir haben Prepaid-Tickets und wissen, wo wir hin müssen. Wieder geht es durch eine Sicherheitsschleuse. Wieder Frauenschlangen und Männerschlangen. Der Inder hat eigentlich ein Problem mit Schlange stehen. Er drängelt gerne. Auch die Inderin drängelt gerne. Ich kann nicht so ganz verstehen, warum die Dame hinter mir so dermaßen auf Tuchfühlung mit mir geht, durchs Drängeln geht doch nichts schneller… aber lieber ist mir in dieser Situation eine Dame als ein Herr, daher finde ich die Sache mit der extra Frauenschlange prinzipiell nicht schlecht. Nach der Schleuse finden wir schnell den richtigen Bahnsteig und steigen in das Abteil, das extra für Frauen ist. Hier fühlen auch wir uns sicher und gut aufgehoben. An der Jor Bagh-Station steigen wir aus und finden zügig den Weg nach Hause.

5 Tage Indien

Wir haben mitgenommen, was in dieser kurzen Zeit so eben geht. Andere zu Hause haben uns für bekloppt erklärt mit dem Programm. Noch andere haben gesagt, freut euch nicht zu früh, es ist schrecklich und dreckig und laut, gerade Delhi.

Mein Fazit: Ich habe nur einen kleinen Eindruck von dem bekommen, was dieses Land zu bieten hat. Es war aufregend, neu, manchmal erschreckend, machmal auch fies, öfter aber einfach toll und wunderschön. Wir waren gut aufgehoben beim Sandmann, wurden bekocht, herumgefahren, viele tolle Leute haben sich um uns gekümmert. Nur unseren kleinen Alleingang nach Goa haben wir von hier aus geplant, ohne zu wissen, was da wirklich kommt.

Es hat alles supergut geklappt. Und ich will nochmal hin. Länger.

Das war das Flötenfrosch-Indientagebuch, das ich hiermit zuklappe. Danke allen, die es gelesen haben 🙂

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