Je suis Charlie

Der Flötenfrosch ist ja schonmal ein bisschen gemein. Aber nur so ein bisschen, meistens recht unpolitisch und sicherlich auch nicht im Visier einiger Wahnsinniger.

Aber es ist nicht nur mein Freizeitvergnügen, wenn ich hier etwas blogge, es gehört auch zu meinem Job, zu schreiben, auch politisch, auch kritisch. Viel wird das, was ich – wo auch immer – schreibe, nicht gelesen. Aber manchmal lesen es doch welche von euch, und manche kommentieren es auch. Vor allem, wenn ich dann doch mal ein ungemütliches Thema habe, etwas das Nichtrauchen oder wenn es um Musik geht. Das sind natürlich harmlose Alltagsthemen, die trotzdem megaemotional sind. Und bei emotionalen Themen wird man dann auch schonmal echt richtig sauer, wenn einer was schreibt, was einem anderen so gar nicht in den Kram passt.

Sicherlich finden mich viele Leute richtig doof, weil ich so eine Meinung habe und sie auch hier aufschreibe. Das können sie ruhig, ich finde ja auch nicht alles gut, was andere Leute so über bestimmte Dinge denken. Ich glaube aber nicht, dass irgendwelche militante Nichtraucher hier ins Frosch-Camp kommen und mich totschießen.

In meiner Redaktion bei meinem Arbeitgeber sitzen wir täglich zusammen und fragen uns, wie wir bestimmte Themen aufgreifen sollen. Satire ist hier nicht unser Werkzeug, es ist eher die kritische Berichterstattung, aber – das muss man mal hier sagen dürfen – nicht soooo superkritisch. Und nie so ätzend wie so manche Satire. Das ist auch nicht unser Auftrag.

Aber. Wir sind immer noch auch eine Art Sprachrohr für Leute, die in ihren Ländern nicht mehr sagen und schreiben können, was sie wollen. Wir berichten über verfolgte Blogger, lassen sie auch zu Wort kommen. Wir zeichnen besonders mutige Blogger jedes Jahr mit Preisen aus, die Welt lernt sie und ihre Botschaften kennen. Einige, die diesen Preis gewonnen haben, sind oder waren im Gefängnis.

Am Tag nach dem furchtbaren Anschlag auf unsere Kollegen in Paris haben wir uns vor unserem Funkhaus mit „Je suis Charlie“-Plakaten für ein Massenfoto aufgestellt und es ins Netz geworfen, hundertfach geteilt, zusammen mit all den anderen Millionen von Solidaritätsbekundungen.

Gleich gehen wir zum Kölner Dom, mit Kerze und Bleistift, und zeigen nicht nur den Opfern und ihren Angehörigen unser Mitgefühl, sondern stellen uns gegen den Wahnsinn auf.

Das können wir Schreiber und Zeichner und Redner und Sänger und Aktivisten und du und ich und wir alle tun. Und weiter schreiben, zeichnen, singen, tanzen, reden gegen eine Macht, die glaubt, immer stärker zu werden – die aber doch nur aus einem tumben Haufen verblendeter Mörder besteht, die meinen, dass sie es schaffen, uns mit ihren Gewehren den Mund verbieten zu können.

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