Der Weihnachtsmann in Afrika

Da haben wir den Salat. „Do they know it’s Christmas“ jetzt auch auf Deutsch. Juhuu. Kann man sich noch nicht mal für dieses Afrika beim Texten etwas mehr Mühe machen?? Auch wenn nicht so viele Afrikaner Deutsch sprechen, genau so wenig, wie sie offenbar Weihnachten kennen.

Da singt Campino am Anfang so:
Endlich wieder Weihnachtszeit.

Und dann der Poisel so:
Und die Nerven liegen so schön blank.

Und dann der Clueso so:
Egal obs regnet oder schneit. 

Und jetzt Achtung: zu DRITT.
Treffen uns am Glühweinstand.

Blank, Stand. Später kommen noch mehr so Klopper, egal, die Sache dient ja einem guten Zweck. Wir retten Afrika. Und zwar jetzt. Vor Weihnachten, weil das ja die klassische Spendenzeit ist. Dann kommen sie alle aus ihren Löchern, von Unicef bis SaveTheChildren, der RTL-Spendenmarathon und – ja – Bob Geldof und seine Mitstreiter, diesmal auch aus Germany and France.

Als Geldof vor 30 Jahren das erste BandAid-Projekt gemacht hat, ging es um eine furchtbare Dürrekatastrophe in Äthiopien, Hunderttausende starben an Hunger. Geldof so: das kann man sich nicht weiter angucken, da muss Kohle hin, ich nehm das mal in die Hand und hole mir da mal ein paar Leute dazu. Und so wurde dieses Allstar-Ding eine richtig toll fette Sache. So viele Stars aus der allerersten Reihe hat man noch nie auf einem Haufen gesehen: Sting, Paul Young, Boy George, George Michael, Phil Collins und und und.

We are the World

Schon schön. Und dann haben die Amis nicht lange gefackelt. Für die Weihnachtszeit schon etwas spät, wurde schließlich Harry Belafonte auf die Sache aufmerksam und rief Anfang 85 Michael Jackson und Lionel Riche zu sich: Schreibt ihr mal auch sowas. Das Resultat ist bekannt und macht auch heute noch Spaß zu gucken. We are the World. Jacko, erst zweimal operiert. Bruce Springsteen, Stevie Wonder, Bob Dylan, Tina Turner, Cindy Lauper, Al Jarreau, Diana Ross, Dionne Warwick, Willie Nelson … oh Gott, ein Allstar-Überflieger aus der kompletten US-Musikszene.

Nackt im Wind

Und auch die Deutschen blickten Anfang 1985 mit sorgenvoller Miene nach Afrika. Und zwar auch alle, die damals die Hits machten. Grönemeyer, BAP, Wolf Maahn, Nena, Heinz Rudolf Kunze, Alphaville, Klaus Lage, Udo Lindenberg, Peter Maffay…..ein paar davon sind ja jetzt auch dabei. Unser Wolfjang Niedecken hatte den Text geschrieben.

Nur ein paar Breitengrade tiefer, paar Längengrade und dann nach links
stößt unsre Phantasie an Grenzen, dort wo die stummsten Schreie sind.

Uh, das klingt schon echt dramatisch. Und der Refrain erst.

Nackt im Wind, der brüllt und wütet. Im Orkaaaahaaaaan der Menschen frisst.

Zwei Mark hat es für jede verkaufte Platte gegeben, ich habe die Maxi auch noch hier rumstehen, Vinyl. Höre sie gerade und finde das Gitarrenriff vom Anfang herrlich, und irgendwie ist es doch ein hübsches Lied und geht auf intellektuellere Weise auf die Tränendrüsen los als das englische Vorbild.

Und wieder das Gemecker

Und nu sind wir wieder dabei, dieses Afrika zu retten. Ob sie wissen, dass Weihnachten ist? Schon, denn in vielen afrikanischen Ländern leben auch Christen. Ob es die Leute in den Ebola-Gebieten jetzt gerade interessiert, das ist eine andere Frage. Den Text stelle ich schon echt in Frage, ich finde ihn einfach doof. Auch damals schon. Und auf Deutsch ist es eben einfach noch ein bisschen doofer, weil man ihn sofort versteht, selbst wenn Jan Delay singt.

Es gibt andere Kritik, die ich nicht teile. Und zwar: Müssen Popstars lachend und Spaß habend im Studio stehen und Charity-Songs aufnehmen? Wie echt ist ihre Betroffenheit, machen die das nur, um sich selbst zu promoten?

Also, das ist wie mit dem Eiseimer. Da haben dann auch plötzlich alle rumgemeckert, warum Helene Fischer das jetzt auch macht und so. Da kann ich nur sagen: Entspannt euch. Wenn jemand etwas Gutes tun möchte, dann soll er es tun. Mit Eiseimern oder mit Charity-Songs. Weil nur das was bringt. Wen ich mich hinstelle und für einen guten Zweck singe, lachen mich doch alle aus, werfen 2-Cent-Stücke in den Hut und gehen weiter. Wenn es Udo Lindenberg macht, lacht man vielleicht auch ein bisschen, aber sicher nur, weil er mit zunehmendem Alter irgendwie immer lustiger aussieht. Aber es gibt Leute, die kaufen den Song, weil ER da mit singt. Und andere kaufen ihn, weil Cro mitsingt. Und weil Sido und Marteria mitrappen. Und Gentleman und Jan Delay und so Leute.

Warum denn nicht. Ich hoffe es kommt viel dabei rum. Und diesmal hoffe ich, dass die Kohle einfach vernünftiger investiert wird. In die richtigen Kanäle läuft. Dass keiner sich bereichert, keine unsinnigen Projekte damit finanziert werden.

Afrika ist ein Kontinent und besteht aus 54 Nationen

Und dass keiner glaubt, dass er mit einem Song einen ganzen Kontinent retten muss. Muss er nämlich nicht. Afrika ist ja nicht nur ein einziges großes Land, wo ganz viele arme Leute wohnen, die ihr Leben nicht in den Griff bekommen und unsere Hilfe brauchen. Das muss man schon ein bisschen differenzieren. Man stelle sich vor, ein Afrikaner würde alle Europäer mal schnell so über einen Kamm scheren. Das ist ja großer Quatsch, ein Italiener ist schließlich kein Däne, oder es gibt kaum ein ungriechischeres Volk als die Deutschen. Ich habe zu so idiotischen Stereotypen übrigens auch noch ein paar hübsche Videos für euch vorbereitet. Die poste ich jetzt hier mal, es ist wirklich sehr lustig.

Heal the World!


Und hier könnt ihr sehen, wie Afrika zurückschlägt.

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2 Gedanken zu „Der Weihnachtsmann in Afrika

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