Rendevouz mit Niki de St. Phalle und warum das mit der Kunst so ’ne Sache ist

Ich habe mich zum ersten Mal getraut, meine Fotos auszustellen. Mir wurde das so als lockere Sache im eher familiären Kreis angekündigt. Dann sah ich vor Ort, dass sich meine kleinen Instagrams in äußerst illustrer Gesellschaft befanden.

Eigentlich sollten die für einen guten Zweck verkauft werden, ein paar meiner Landschafts-Instagrams. Es klang so nach einer Art Nachbarschaftshilfe, und ein Galerist sei da und stelle seine Räumlichkeiten zur Verfügung und ja, warum denn nicht, bring deine Fotos mal dahin.

Ich also die Dinger auf Leinwand drucken lassen, mit Tusche und Feder kleine quadratische Schildchen geschrieben mit den Instagram-Hashtags als Titel, kleine quadratische Visitenkarten drucken lassen, also ordentlich Kohle und Zeit reingesteckt. Und wollte so neun Bildchen im Quadrat angeordnet hinhängen lassen.

Und dann komm ich dahin und da steht eins im Schaufenster – wow, und dann geh ich rein und suche die erst mal, denn der Kunstraum ist voll mit Kunst, überall hängt und steht Kunst rum, kaum ein Quadratzentimeter ist frei. Und dann finde ich meine kleinen Instagrams zwischen den anderen Kunstwerken, oh je, denke ich, das wollte ich mir gar nicht anmaßen, dass meine kleinen Handyfotos neben so richtiger Kunst in einer richtigen Kunsthalle ausgestellt sind. Zwei meiner Fotos stehen an einen Ikea-Lack-Tisch gelehnt, in einer Ecke. Auf dem Tisch steht eine kleine Figur von Niki de St. Phalle. Rechts darüber hängen Bilder von Markus Lüpertz. Und dann seh ich, dass links alles voll ist mit A.R. Penck.

IMG_1660Der Abend war dann auch super, ich hab mit einem verdammt guten Jazzpianisten zusammen Musik gemacht, alle hatten Spaß und es gab Wein und Käse und ich habe sogar sechs meiner Auswürfe verkauft. An Bekannte, was mich nicht weniger ehrt als wenn sie ein Fremder gekauft hätte. Wenn sie so viele Bilder gekauft haben, dann können sie nicht so ganz schlecht sein. Ich hinterfrage natürlich immer, wie gut oder wie schlecht ist mein Zeug? Egal, ob das Geschriebene, das Fotografierte oder das Gesungene. Das ist schon komisch, wenn man kreativ ist. Immer will man, dass sich andere damit beschäftigen. Und Feedback bekommen. He, super, das ist ja toll. Oder: Hm, nun ja, da könntest du noch was dran tun. Man gibt ja auch einen Teil von sich preis, irgendwie macht man sich als Künstler doch immer nackig.

IMG_1687Mindestens ein Foto von mir fand der Galerist scheiße, da hat er mich fast ausgelacht, es sähe aus wie ein Kalenderblatt, höhö, also das …bei aller Liebe…höhö. Das geht doch eigentlich auch gar nicht. Man mag es kitschig finden. Ist es deswegen schlecht? Was habe ich schon für einen Kitsch gesehen, der als Kunst verkauft wird. Was habe ich schon für Scheißtexte gelesen, die trotzdem 100fach im Netz geteilt werden.

Ja, also ganz unkitschig ist das Bild, um das es geht, nicht. Aber hm, in der Ausstellung standen bunte Möbel herum, deren Beine in hochhackigen Frauenschuhen steckten und um die „Fesseln“ herum noch glitzernde Armbänder. Oder ein bunt bemalter Phallus mit Zylinder.

Also Geschmack. Und Kreativität. Und Kunst. Oder Kitsch. Und Befindlichkeiten. Alles nicht ganz einfach. Ich mach das aber weiter. Jetzt hab ich doch mal Blut geleckt. 🙂IMG_1133.JPG

 

 

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