Der große Guru

Ich hatte ihn! Ich hatte Jeff Jarvis! Es war MEINER! Mann was hatte ich Angst davor. Man liest ja so einiges. Er habe ein spezielles Verhältnis zu Journalisten, hab ich so gelesen. Und dann habe ich natürlich befürchtet, dass ich voll die doofen Fragen stelle.

Zuerst ging es um die Rolle des Journalismus, jetzt also, wo der klassische Journalismus langsam abdankt und alles durch das Netz geht. Und wo so viele gute Leute bloggen. Wo wir nicht mehr nur auf Agenturen angewiesen sind. Wir haben doch Twitter, Instagram, ja und Facebook auch, ja und die ganzen buzzfeeds und uns und… Jeff Jarvis.

Er unterrichtet seine Journalistenschüler in New York in einem neuen Fach: Social Journalism. Schaut, was die Netzgemeinde sagt. Hört auf sie, stellt IHRE Fragen.

Der Mann spricht vom Teilen. Wie wichtig und wie toll und zukunftsweisend es wäre, wenn diese komische Gesellschaft hier endlich lernen würde zu teilen. Und dazu gehört natürlich auch, dass ein Teil der ach so hochgelobten Privatsphäre auf der Strecke bleibt.

Jarvis liebt diese lustige Google Streetview-Episode. In Deutschland wurde tatsächlich ein „Verpixelungsrecht“ (Jarvis so: „Wörpiggselunksrescht“) eingeführt. Und so sind ja sehr viele Häuser auf den deutschen Google-Streetview-Karten verpixelt, sieht total bescheuert aus und torpediert die feinen Möglichkeiten, die uns das eigentlich bietet, nun, ist aber so. Gleichzeitig aber sind die Deutschen große Fans der Freikörperkultur. Und rennen in den einschlägigen Nacktreservoirs sogar in den Supermärkten so rum. Denen ist es also völlig egal, ob man Haare sieht oder nicht, ob er groß oder klein ist, ob da ein Piercing hängt oder nicht – mann, DAS ist ja wohl Intimsphäre, intimer gehts doch kaum und dann lassen die ihre Häuser verpixeln. Das geht dem großen Mann aus New York nicht ganz in den Kopp. Mir auch nicht.

Dabei ist Streetview das Grundprinzip des Teilens: Wir lassen unsere Häuser fotografieren, auch wenn hässliche Graffittis drauf sind, damit unsere zukünftigen Mieter oder Nachbarn sehen können wie es dort in der Straße aussieht. Oder wenn einer ein ganz bestimmtes Haus sucht (etwa „das mit den blauen Balkonen“) kann er sich das doch vorher schon mal bei Google angucken. Das tut mir doch persönlich nicht weh, ich gebe was von mir ab und hab was Nettes gemacht. Von anderer Stelle kriege ich es doch wieder zurück!

Jarvis lässt keinen Zweifel daran, dass Privatsphäre wichtig ist, vielleicht sogar wichtiger als je zuvor. Aber das Ganze ist abwägbar. Wenn wir mehr teilen würden, könnten wir auch mehr voneinander lernen, sagt Jarvis. Ich hatte vor Jahren auf der re:publica mal ein Interview mit einem chinesischen Blogger, der das auch sagte. Und der sagte das vor einem ganz anderen Hintergrund. Teilen ist für Jarvis ein Ausdruck von Großzügigkeit. Für Isaac Mao war/ist es fundamental.

Bevor ich jetzt jeden Gedanken wiedergebe, den Jarvis mir mitgeteilt hat (und die vielen, die ich gerne noch von ihm gehört und auch hinterfragt hätte!), kann der interessierte Leser ja mal den Link zum Interview angucken. Ich mache äußerst selten hier Werbung für meine Arbeit bei meinem Arbeitgeber, aber auf das Ding bin ich ja doch ein bisschen stolz. Ist ja schließlich auch ein Teil von mir. Und Jeff Jarvis war sich auch nicht zu schade für ein Promi-Selfie mit mir.

jarvisandme

Und das war der digitale Flötenfrosch bis hierher, das Team geht – diesmal komplett und analog – wieder auf eine Reise, diesmal führt es uns in die Bäche des Haute-Savoie, an den Verdon und wer weiß wo hin noch. Dann gibts hier wieder ein paar Fotos von Bergen, Himmeln, Wasser und was sonst noch so Schönes kommt.

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