Norwegen: Premiere in grün und blau

In den letzten drei Wochen bin ich ein bisschen rumgekommen. Ganz im Norden war ich und ganz im Süden Europas. Ich sag ja, das hier wird vielleicht ein Reiseblog. Im Sommer so. Ich starte mal mit Norwegen, das ich zum ersten aber nicht zum letzten Mal besucht habe.

Kaum angekommen stellte ich fest, dass der Norweger sehr hilfsbereit ist. Nicht nur da, wo ich am Bergener Flughafen fassungslos mit ansehen musste, wie das Gepäckband zum Stillstand kam und meine Tasche weit und breit nicht zu sehen war. Gut, dass der Mann am Schalter mich beruhigen konnte. Die Tasche kommt mit dem nächsten Flug und es hat auch nichts damit zu tun, dass vier Bierdosen aus Köln mit im Gepäck sind. Mit dem nächsten Flug aus Amsterdam haben die Hirnis von KLM es dann tatsächlich geschafft, die Tasche mitzuschicken. Als sie ankam, war der Bus zum einzigen Schnellboot, das an diesem Tag noch nach Uskedal fuhr, noch nicht da. Der kam etwas später. Als ich da erneut nervös wurde, half mir ein anderer Norweger, der mir versicherte, dass der Bus auf jeden Fall komme. Und wenn nicht, dann führe eh kein Boot. „No bus, no boat. No boat, no bus.“

©Silke Wünsch

Während der Fahrt darf man nicht an Deck. Sonst wird man runtergeweht…

Schön, dass der Bus dann tatsächlich kam und mittlerweile auch ein paar Fahrgäste, die nicht so nervös waren wie ich. Alle luden ihr Gepäck hinten rein, der Bus fuhr los. Mit Klappe offen. Das merkte der Fahrer dann auch, blieb mitten auf der Zufahrtsstraße zum Flughafen stehen, lachte laut und machte erst mal in Ruhe die Klappe zu. Dann zuckelten wir zum Schnellboot-Kai. Hurtigbåt heißt es da. Das Schnellboot war in der Tat hurtig unterwegs. Ein Katamaran, der, wenn er Gas gibt, einen in die Sitze drückt. Und so preschten wir durch die Fjorde. Ab und zu hielt er an einem Kai an und sammelte Leute ein. Das ging fast so schnell wie bei der Straßenbahn. Ran, Steg runter, Leute rein/raus, Steg rauf und weiter.

Aha!

©Silke Wünsch

Ein „Strand“ mit Schneeblick

Im Zielhafen in der Gemeinde Kvinnherad am Hardangerfjord angekommen, gab es erst mal eine beeindruckende Fahrt am Fjord entlang, wundervolle Landschaft mit Wahnsinnsblicken. Zu Hause bei den Freunden in Uskedal erst mal das Bier weggehauen, das ich mitgebracht hatte.

Dann noch zum „Strand“ – also eine Wiese am Fjord. Ich lernte erstaunt: Hier darf man in der Öffentlichkeit kein Bier trinken. Und keinen Wein. Und keinen Schnaps. Also, grillen im Park oder am Strand mit ’ner Kiste Bier – ist nicht. Der Norweger nimmt’s gelassen. Ich verstehe, warum die Skandinavier immer so aufdrehen, wenn sie ihr Heimatland verlassen. Nicht nur weil der Alkohol dann billiger ist. Sondern weil man auch überall trinken DARF.

Egal: Es war schon so 21:00 und die Sonne knallte. Ich wusste ja, dass es im Sommer da oben, wenn überhaupt, später dunkel wird. Dennoch hat es mich schon geflasht. Dass man noch um Mitternacht sowas wie Tageslicht hatte. Kein Wunder, wenn die Sonne erst so um halb elf laaaaaangsam untergeht. Ein Wunder übrigens, dass sie uns die ganzen Tage begleitet hat. Was dort sonst nicht so normal ist. Tatsächlich hat es kein einziges Mal geregnet, als ich dort war.

Hytte to go

Blick von oben ins Tal und auf den Fjord ©Silke Wünsch

Keine zwei Stunden von der Zivilisation bis hierher

Wir machten eine Tour in die Berge. Ich lernte die nächste Merkwürdigkeit kennen: Irgendwie ist es so wie in den Alpen, aber dann doch nicht. Es ist nicht so hoch. Und trotzdem fühlt man sich, wenn man dort oben ist, wie in den Schweizer Bergen. Schnee, Kargheit, eiskalte Gebirgsseen. Und immer der Blick in den Fjord, der auch zu Fuß nicht weiter als 4 Stunden entfernt ist. Es ist also durchaus möglich, dass man mit etwas Kondition morgens auf einen Berg marschiert, dort durch eine alpine Landschaft mit Schneefeldern läuft und abends im Fjord noch schwimmen geht.

Sie haben dort oben kleine Hütten. Die sind offen, wer dort übernachten will, der kann das tun, sofern die Hütte nicht schon von anderen Wanderern besetzt ist. Man sollte aber nicht denken, dass es irgendwie so verlauste Bretterverschläge sind.

©Silke Wünsch

Bei mehr als drei Leuten wird’s gemütlich…

Nee, also wo wir waren, das war ein kleines gemütliches Holzhäuschen mit Matratzenlager und Gaskocher und Tellern, Tassen, Kerzen und einem Ofen. Und gefühlten 50 Kubikmetern Brennholz. Und einem Extra Klohäuschen 100 Meter entfernt. Mit einem atemberaubenden Blick ins Tal. Wenn das so weitergeht, werde ich ein Tumblr mit den tollsten Kloblicken von der ganzen Welt bauen. Also zwei davon habe ich schonmal. Der andere ist am Verdon. 

Wie schon gesagt, es wird nicht dunkel. So konnte man auch mitten in der Nacht den kleinen Eisberg auf dem See neben der Hütte gut sehen. Ja, das Wasser war schon echt kalt. Zum Schwimmen. Aber für eine Katzenwäsche hat’s gereicht.

Am Gebirgssee mit Eisscholle ©Silke Wünsch

Diese Wassertemperatur ist nur für die ganz Harten

Beim Abstieg merkt man erst recht, wie schnell sich die äußeren Bedingungen verändern. Wir waren dort auf gut 700 Metern. Die Baumgrenze verlief gute 200 Meter darunter. Der Boden ist überall vollgesogen wie ein Schwamm. Auf dem Weg begegnen uns Schafe, die gemütlich das saftige Gras mampfen. Es ist unfassbar grün, fast absurd grün, neongrün. Im Wald glaubt man, dass gleich ein Hobbit vorbei tapst. Oder ein Troll. Das Wasser kann man hier überall trinken. Wasserflaschen schleppen ist hier ziemlich überflüssig. Beim Abstieg kommen wir an einer weiteren Hütte vorbei – wie ein verwunschenes Hexenhäuschen wirkt sie mit ihrem grasbewachsenen Dach. Ein Bach plätschert vorbei. An einem Baum neben dem Bach hängt eine kleine Porzellantasse. Die nimmt niemand weg. Da trinkt man das frische Wasser draus und hängt sie wieder hin. Norwegen eben.

Eine Tasse am Baum ©Silke Wünsch

Bitte bedient euch 🙂

Ähnliches dann am Ende der Tour: Ich habe auf einem Parkplatz meine Kamera liegen gelassen. Auf einem Felsen, etwas versteckt zwar aber dennoch … sie hat da sicher anderthalb Stunden gelegen. Sicher sind auch Leute vorbei gekommen. Aber meine Freunde versicherten mir, dass hier in Norwegen sowas nicht wegkommt. Hätte sie da nicht mehr gelegen, wäre sie in der Nachbarschaft abgegeben worden. Und tatsächlich lag sie da. Ihr kennt diese tollen Momente der Wiedersehensfreude.

Postkarte

Irgendwann in diesem Sommer schmilzt der Schnee auf den sanften Bergkuppen. Die Gipfel sind hier nicht viel höher als 1200 Meter, der höchste Berg Norwegens hat nur so 2400. Aber trotzdem gibt es einen sehr großen Gletscher hier. Der heißt Folgefonna. Einen Ausläufer haben wir besucht. Über einen allerliebsten Wanderweg, am Gletscherbach entlang, zwischen Felsen und Farnen – eine Landschaft, durch die jeder hier einfach so laufen kann.

Der Gletschersee des Folgefonna ©Silke Wünsch

Ja, das ist schon fast pervers idyllisch. Aber das ist eben so, wenn man in Norwegen herumläuft. Da biegt man gerade mal so um eine Ecke und dann BÄÄM. Bisher kannte ich eine so schöne Natur nur in den südfranzösischen Canyons, in die man ohne Gumminanzug und all das Gerödel gar nicht rein kann. Ich fühlte mich immer so privilegiert, mich beim Canyoning in so einer Natur bewegen zu dürfen. In Norwegen hat man das beim Spazierengehen.

verstecktes Paradies am Fjord ©Silke Wünsch

Verstecktes Paradies am Fjord

Nächster Höhepunkt neben wundervollen Abenden im nicht endenwollenden Abendlicht mit Musik, unglaublichem Essen und tollen Gesprächen war dann noch eine Bootsfahrt durch den Hardangerfjord mit Einblicken in versteckte Kleinode, wo Seeadler nisten und sich Leute kleine Häuser hingebaut haben.

Reker und Torsk-Rogen

Nochmal kurz zum Essen. Klar gibt es hier jede Menge Fisch und Krabbeltiere im Wasser. Ich esse das auch gerne wenn es nicht zu fischig schmeckt. Und was das betrifft, ist dieses Land ja wirklich unschlagbar. Auch wenn es beim Einkaufen für einen Nichtskandinavier äußerst ratsam ist, das Rechnen sein zu lassen. Gerade beim Wein…

Norwegisches Abendessen ©Silke Wünsch

Norwegisches Abendessen

So haben wir an einem Abend ein riesiges Lachsfilet plattgemacht, am anderen Abend gab es Krabben, Reker genannt, zum Selberpulen mit Knobi und Zitrone und Dip und dazu Salat und Ofenkartoffeln und Wein und aaaahhhh zum Frühstück dann Rührei mit Dorschkaviar (ich hab mich verliebt) und nur so tolle Sachen.

Ich habe in den fünf Tagen zugenommen. So what. Es hat sich mega gelohnt. Am Flughafen gab’s dann auch nochmal ein fettes Krabbensandwich. Mit Mayo. In Köln war meine Tasche eines der ersten Gepäckstücke auf dem Band. Geht doch.

 

Alle Bilder in diesem Blogpost sind von mir. Sie sind unbearbeitet, mit einer Nikon D90 mit einem Sigma 17-50 mm 1:2,8 bzw einem Sigma 18-200 mm 1:3,5-6,3, beide mit Polfilter, fotografiert.

Mehr davon gibts auch auf meinem Instagram-Account. Checkt das 🙂

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