Dom digital!

Der hochheilige Dom zu Köln, das Gotteshaus, Zentrum des kölschen Klerus… wurde am Donnerstag in der Nacht zweckentfremdet. Knapp 400 Leute brachten die digitale Revolution in das altehrwürdige Gemäuer.

Wir saßen in den Kirchenbänken, vor uns keine Gesangbücher. Sondern Smartphones. Wir mussten uns auf einer Webseite einloggen, unsere Platznummer eingeben – und schon war das Device mit einem Computer verbunden, der wiederum mit der Dom-Orgel verbunden war. Abgefahren.

Und dann gab es digitale Musik. Oder wie soll man das nennen? Ein Zufallsgenerator, der ähnlich programmiert war wie das Richterfenster mit seinen 11.000 kleinen bunten Quadraten, steuerte die Orgel an, die dann auch 11.000 kleine und große bunte Töne von sich gab. Also da schwirrte schon ordentlich Sound durch den Dom, wie kleine Flöhe hüpften die Töne durch das Gemäuer, klang auch irgendwie lustig. Der Cheforganist vom Dom, Winfried Bönig, saß an den Registern, den Rest machte ein USB-Stick.

Beim nächsten Stück nahm der Komponist Gregor Schwellenbach unsere IP-Adressen und machte aus den Nummern Noten. Das Handy, das gerade dran war, blinkte. So stellt man sich die NSA-Staubsauger – visualisiert – vor.

Beim dritten Stück steuerte die Orgel die Handys an und da blinkte so ziemlich alles, was im Dom so an Elektrik vorhanden war. Hier kann man hören sollte man eigentlich hören können, wie das klang. Nun ja, irgendwann mal nach der interactivecologne. Vielleicht. Sie wollten Videos davon posten. Was sinnvoll wäre. Denn im weiteren Verlauf des Konzerts hat die Orgel die Handys angesteuert und die blinkten auch wild rum. Nur konnte man den Anblick da unten in den Kirchenbänken gar nicht genießen. Nur von oben hätte man einen tollen Blick gehabt au 380 bunte leuchtende Smartphone-Displays. Immerhin haben sie dort oben Kameras gehabt. Also, vielleicht kann man es irgendwann mal wirklich sehen. Schade übrigens auch, dass der Dom nicht dunkel war, die hatten gedämpftes Licht angelassen, was den Eindruck sicherlich auch für die Kameras schmälerte.

Alles in allem – musikalisch nun ja, technisch aber HUT AB. Die Programmierer haben gute Arbeit gemacht, und dass die Musiker sich auf dieses Experiment eingelassen haben, gefällt mir auch sehr. Am meisten aber gefällt mir, dass der Domprobst gesagt hat, ja klar, macht das! Unter Meissner wäre das vielleicht nicht gegangen, obwohl – das Richterfenster hat er auch nicht verhindern können 🙂

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