Rettet die schwangeren Kellnerinnen!

Das geht ja nicht, dass ich hier nur noch bunte Fotos poste. Also mal wieder ein paar böse Wörter. Politisch nicht ganz korrekt, klar. Ich gratuliere der nordrheinwestfälischen Landesregierung zum gelungenen ersten rauchfreien Jahr.

Das hat doch wirklich richtig gut geklappt. Ihr habt uns aus den Kneipen verjagt, selbst die unseligste Spelunke ist nun vom Rauch befreit. Selbst morgens um 5 lassen Wirte verschämt die Jalousien runter, um sich mit den letzten Stammgästen noch eine heimliche Zigarette vor Feierabend zu gönnen. Auf den Bürgersteigen hunderte von Kippen. Rein raus rein raus. Gestörte Ruhe. Unruhige Tischrunden drinnen, weil immer welche rausgehen. Und manchmal dort kleben bleiben. Selbst draußen, in den Biergärten oder einfach so am Café-Tisch, ist irgendwie schon eine gewisse Hemmung zu spüren. Wo soll ich bloß meine Zigarette hinhalten, ah, da sitzt auch ein Raucher, uff.

Der Erkältungspegel steigt. Das ist kein Raucherhusten. Es ist ein neues Krankheitsbild, das sich da generiert: Der Imwinterausderwarmenkneipeimtshirtnachdraußengehhusten. Wenn ich im Club meine Jacke abgegeben habe, nehme ich die doch nicht ständig mit raus, wenn ich mal rauchen will. Hat mal da einer von diesen Gesundheitsgurus mal drüber nachgedacht? Nee. Die denken an ein echtes sehr ernst zu nehmendes Problem: Die immens große Zahl von schwangeren Kellnerinnen. Schwangere Kellnerinnen sind überall anzutreffen, in jeder Kneipe, Bar oder Disco arbeitet mindestens eine von ihnen. Es ist natürlich vollkommen klar, dass diese Frauen geschützt werden müssen. Seit mich meine Gesundheitsministerin Barbara Steffens in einem Radiointerview auf dieses Problem aufmerksam gemacht hat, sehe ich die Kellnerinnen und Thekenkräfte mit ganz anderen Augen.

Denn mir war gar nicht bewusst, dass die vielen Studentinnen, die so zwischen dem 3. und 6. Semester um ihren Bachelor kämpfen und sich nachts in den Bars ihr Studium finanzieren, fast alle ein Kind im Bauch haben. Ich frage mich auch, warum ich so viele Schwangere draußen vor Kneipen oder Cafés stehen sehe, die – noch in Schürze – offenbar eine Zigarettenpause machen. Denen sollte man mal die Suchtberatung vorbeischicken. Es ist nicht gut für das Ungeborene, wenn die Mutter während der Schwangerschaft raucht. Oder auch wenn sie nur den Rauch der anderen Gäste einatmet. Allein deswegen gibt es überhaupt dieses Gesetz. Um die schwangeren Kellnerinnen zu schützen. Ich habe es wirklich nicht gewusst. Aber Frau Steffens brachte das als eines der Hauptargumente für das NR-Schutzgesetz vor. Dann muss da ja was dran sein.

Mein FB-Post vom 6.5.2013: In Berlin brennt noch Licht. Gruß nach NRW

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Sie brachte übrigens noch einen Klopper in diesem Interview. Auf die Frage, ob denn die Feuertaufe an Karneval gelungen sei, antwortete Frau Steffens: Jaaaa, die Stunksitzung sei ja schon seit Jahren rauchfrei, das habe immer schon sehr gut geklappt, und daher habe Karneval seeehr gut funktioniert.

Ah. Die Stunksitzung. Ach so. Na dann ist ja gut. Ist ja genau so wie Kneipenkarneval.

Schade, dass ich nicht Moderatorin war. Ich hätte ja mal gebohrt: Wissen Sie, Frau Steffens, wie das ist, wenn an Karneval eine Kneipe gerammelt voll ist und die Türsteher mit dem Zählen nicht hinterherkommen? Wissen Sie wie das ist, wenn andauernd die Leute zum Rauchen rausrennen, um dann mit dem Türsteher darüber zu diskutieren, warum man die Getränke nicht mit rausnehmen darf? Wie das ist, wenn die Leute seit Stunden in der Schlange stehen und denken, dass sie jetzt rein können und ebenfalls Diskussionen mit der Tür anfangen? Dieses Hin und her – das alles im Auge zu behalten und das über 10, 12 Stunden?

Wissen Sie, dass Versuche mit Raucherpässen – also wer raus geht, kriegt einen Pass und kann damit wieder rein – kläglich gescheitert sind, weil diese Pässe in den Schlangen für bis zu 30 Euro gehandelt werden?

Und schließlich, Frau Steffens: Mögen Sie eigentlich diesen Geruch? Die Bläck Fööss haben dieses Jahr einen Song gehabt, der hieß: „Et röösch noch Karneval“ – Es riecht nach Karneval. Dank Ihnen wissen wir nun, wie Karneval wirklich riecht. Schweiß, Mundgeruch, Alkoholfahnen, Bierlachen, Fürze und – ja, auch Kotze. Dieser Pesthauch wird von Hunderten Gästen weiterverarbeitet, indem sie ihn immer wieder ein- und ausatmen. Pandämonium! Kein noch so grausiges Gemälde von Hieronymus Bosch kann beschreiben, was dieser Luft anhaftet. Der Rauch hatte es übertüncht. Ich weiß nicht, ob Zigarettenrauch die Gefährlichkeit dieser Faulgasmischung noch erheblich steigern könnte.

Na gut.

Einen einzigen Vorteil gibt es ja: Die Klamotten stinken nicht. Das weiß sogar ich zu schätzen. Dafür danke ich meiner Landesregierung von Herzen. Und natürlich für die Rettung der schwangeren Kellnerinnen.

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3 Gedanken zu „Rettet die schwangeren Kellnerinnen!

  1. Was soll man dazu sagen… hier in Ö haben viele Lokale jetzt einen Nichtraucher und nen Raucherbereich. A) der Raucher ist immer gerammelt voll (und die „armen schwangeren Kellnerinnen“ müssen da auch rein die Leute bedienen) wärend B) im Nichtraucher nur sitzt wer nicht mehr in den Raucherbereich gepasst hat.
    C) nachdem viele Wirte einen Haufen Kohle in den Umbau für die Trennung gesteckt haben kommt man jetzt mit Überlegungen an das es Nichtraucher nicht zuzumuten ist am Weg zum Klo durch die Dunstglocke zu gehen. Das würde aber für viele Gastronomen bedeuten das sie das Geld zum Fenster rausgeblasen haben da man bei den Umbauten schon darauf achten musste das die Nichtraucher am Weg zu ihrem Bereich nicht durch den Raucher müssen. Das bedeutet der Raucherbereich liegt bei vielen im hinteren Lokalbereich… wo auch die Wc’s sind. Getrennte Bereiche schön und gut… aber die nachträglichen Einfälle kommen etwas spät und sind für Lokalbetreiber jetzt eine echte Verarsche. Weis nicht wie es in D ist, ob ihr auch einen abgetrennten Raucher haben dürft oder ob ihr von vorne herein nicht mehr drinnen rauchen dürft?
    (Bin übrigens selbst Raucher)

    • Bei uns ist überall Schicht. Nirgendwo darf geraucht werden. Die Wirte, die Raucherräume eingerichtet haben, haben das Geld umsonst investiert. Es lohnt sich nach einem Jahr auch nicht mehr, sich groß darüber aufzuregen. Ich wollte nur zum Einjährigen nochmal einen loslassen, vor allem weil ich das Interview mit unserer Gesundheitsministerin so unterirdisch fand. Ich bin offen für Argumente, die mich überzeugen, aber in dem Interview habe ich nu GAR keins gefunden… 😉

      • Ach Dreck! Ich war 2011 eim we in Berlin und hab die Wickingerbar besucht. Der damalige Raucherraum war echt rammel voll. Die Leute die nocht mehr rein konnten rauchtem auf der Straße („Aber die Gläser bleiben herinnen!“) Und der Wirt musste die Leute immer mal wieder ermahnen nicht zu laut zu sein weil sich dann die Nachbarn aufregen.
        Klar ist das Thema nicht mehr so frisch aber…mit würds definitiv drauf vergehen Lokalpreise für meine Getränke zu blechen wenn ich in meinem Wohnzimmer mit Freunden billiger wegkomm und da sogar rauchen darf.

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