Enemy mine: Das Google-Ungemach

Jetzt wissen wir es. Google ist ganz gefährlich. Wenn schon der Chef eines der größten Verlage in Deutschland sagt, er habe Angst vor Google, dann muss da ja was dran sein.

Sagen wir mal so: Wir müssen es doch nicht tun. Wir brauchen Google nicht wirklich zum Leben. Aber ist ist doch so praktisch. Und bietet einfach ungeschlagen geile Services. Für umme. Und das nicht nur für uns kleine User. Sondern auch für die Verlage. Ja, da zeigt Google auf der Trefferliste direkt ein paar Sätze aus den verlinkten Inhalten. Sogenannte Anrisstexte. Damit der Googelnde direkt weiß: Ja, das ist der Inhalt, nach dem ich suche. Ist doch eigentlich gut. Aaaaber da haben wir nicht mit dem Urheberrecht gerechnet. Denn diese Anrisstexte gehören ja schließlich den Leuten, die sie geschrieben haben, bzw. den Verlagen, die diese Leute unter Vertrag haben. Also nehmen die Verlage Anfang 2013 die Urheberrechtskeule zur Hand, schlagen mal kurz zu und fordern ein Leistungsschutzrecht, das es – in allereinfachsten Worten gesagt – den Verlagen ermöglicht, von Google und anderen Suchmaschinen Kohle zu fordern, wenn sie die kleinen Textauszüge auf ihren Seiten veröffentlichen.

Das Ding ist im August 2013 in Kraft getreten. Und da hat Google mal kurz mit den Schultern gezuckt und gesagt: Wenn das so ist, liebe Verlage, dann nehmen wir eure Inhalte eben raus. Uups. Blöde Idee also, und so ruderten die Verlage wieder zurück, jaaaa soooo war das nu auch wieder nicht gemeint.

Und jetzt haben wir den Salat, es gibt einen offenen Briefwechsel in der FAZ zwischen Herrn Schmidt von Google und Herrn Döpfner vom Springer-Verlag, der eine erneute Debatte um Googles Herrschaft über das Netz entfacht hat. Und Herr Döpfners laaaaaanger Text trieft nur so von äh jaaa, also eigentlich seid ihr ja geil von Google, aber uneigentlich hab ich ganz schön Angst vor euch. Weil ihr ja die WELTHERRSCHAFT wollt. Einen digitalen Suprastaat. Die Alleinherrschaft im Netz und damit über … uns.

Ja, da sind sicher viele Leute mit Recht etwas argwöhnisch. Auch die Nutzer der hübschen Google-Gadgets. Ich gehe allerdings davon aus, dass es den Nutzern dieser Gadgets durchaus bekannt ist, WEM sie sich da anvertrauen. Gmail, ziemlich spamsicher. Google+, das Netzwerk für den interessierten Nerd. Chrome. Ein Browser, in dem man immer zu Hause ist. Analytics, das by the way auch vom Springer-Verlag genutzt wird. Youtube natürlich. Diese Geschichtsnummer Cultural Institute. Public Data Explorer, ein Fest für Datenjournalisten. Maps, Earth, Streetview. Und viel mehr. Klingt jetzt wie ein Werbespot, ist es aber nicht.

Denn es gibt Alternativen, sehr viele und auch ganz ordentliche. Ich brauche Google nicht wirklich, um im Netz zu überleben. Aber ich nehme das, was es anbietet, gerne an. Und zahle dafür nichts. Nun, doch, natürlich zahle ich was. Ich schenke Google dafür meine Daten. Google weiß verdammt viel über mich und ich weiß nicht, was es damit anstellt. Sollte mir das Angst machen, dann habe ich die Möglichkeit, mich ihm zu entziehen. Auch wenn es unbequem ist.

Aber es ist alles unbequem, wenn es darum geht, sich vor dem Internet zu schützen, während man sich darin bewegt. Also. Nachdenken und checken, ob es ohne Google geht. Und nicht rumheulen, dass Google böse ist, wenn man seine Vorzüge doch so offensichtlich genießt. Google ist nicht alternativlos, Herr Döpfner, es hat nur viiiiel früher erkannt, was man alles im Netz reißen kann.

Dass wir alle durchsichtig geworden sind, ist uns doch eh klar. Dieser neuerliche Aufschrei erinnert mich in seiner Bigotterie ein bisschen an die Leute, die sich selbstgerecht vor ihre Häuser gestellt haben und in Dutzende Fernsehkameras gesagt haben, dass sie nicht wollen, dass ihre Hausfassaden auf Google Streetview zu sehen sind. Woraufhin Deutschland das einzige Land ist, das bei Streetview gepixelte Häuser hat.

Diese Datenkrakendebatte nervt mich ungemein.

p.s. Bääm, das ist übrigens mein 100. Text hier im Frosch. Ich proste mir zu 🙂

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