Jan Delay und die Rockbretter

Die neue Platte heißt ja „Hammer und Michel“ – ein schönes Wortspiel – aber das war’s auch schon für mich. Zwei Kostproben durfte das werte Publikum ja schon hören, aber irgendwie wollen die mich nicht richtig reinlassen, diese Songs.

Warum? Hm, vielleicht liegt es ja daran, dass manche Leute guten Funk, Soul, Reggae machen – und andere Leute können richtig gut mit lauten Gitarren umgehen. Andere wiederum schreiben hübsche Songs und singen fein dazu, wieder andere können gut mit Elektronik umgehen. Es war doch schon immer so, dass, wenn Musiker in fremden Gebieten wildern, in den meisten Fällen so komisch halbgares und vor allem unglaubwürdiges Zeug dabei herauskommt. Letztes unrühmliches Beispiel ist ja wohl Heino. Nicht dass Heino und Jan Delay vergleichbar wären, das will ich hiermit klarstellen. Ich meine nur…. Schuster, bleib doch bitte bei deinen Leisten.

Jan Delay, ich denke mit großer Freude an die Zeit zurück, als du mit deinem Album „Mercedes Dance“ ALLES richtig gemacht hast. DAS war eine Eröffnungsnummer. Und dann der (zugegebenermaßen mittlerweile etwas abgegriffene aber dennoch urfunkige) Gassenhauer „Klar“ – Rescuetropfen für jede leergespielte Tanzfläche.

Das neue Stück hier, das du „Liebe“ nennst, ist gerade da am lieblosesten, wo du im Video deine Bläser rausschmeißt („Sorry, das ist ne Rockplatte“). Die ganze Zeit hoffe ich, dass du sie doch dazu holst, den Rock geht doch auch mit Gebläse – nein, stattdessen ein seeehr langes (jaja, Rockplatte, höhö) Gitarrensolo von einem, der aussieht, als würde er im richtigen Leben die phattesten Funk-Riffs spielen. Irgendwie ist dein Rockprojekt für mich verkehrte Welt. Ein ähnlicher Versuch ist Thomas D vor vielen Jahren mit Son Goku etwas besser gelungen. Ist aber trotzdem leider irgendwie auch nix Richtiges geworden.

Dabei war ich natürlich seeeehr neugierig, als es hieß, dass du eine Rockplatte machst. Und hab mir das Wacken-Video angeguckt. Aber – sorry – neeee, das passt vorne und hinten nicht. Und St. Pauli find ich schwach.

So, genug gemeckert jetzt. Die Leute werden dein Zeug feiern. Ich mache da auch dann wieder mit, wenn du zurück zu deinen Bläsern kehrst. Ich hör mir derweil nochmal die letzte Motörhead-Platte an.

Foto oben: Jan Delay beim Chiemsee Reggae-Summer Festival 2013, geknipst von Tobias Klenze, CC-BY-SA 3.0

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