Köllefornia – summer in the city

Mit dem Karneval soll man doch die Wintergeister vertreiben, nicht wahr? Nun, das ist uns hier in Köln DEFINITIV gelungen.

Sie kommen alle raus aus ihren Winterquartieren, strömen in Scharen in die Parks, in die City, warten drei Stunden im Eiscafé auf ihre Bestellung, stehen Schlange für ein Softeis. Schlangestehen sind wir ja gewöhnt, Karneval ist noch nicht lange her. 80 Prozent der Kölner haben immer noch was davon: Sie sind krank. Ich auch. Ist eben so.

Samstag dachte das Froschteam, los, wir gehen mal was an die Luft, ab in die Stadt, ich brauche neue Darts, wir gehen mal kurz in den Kaufhof. Höhö. Mal kurz ging an diesem Samstag gar nichts. Menschenmassen auf der Schildergasse. Ein unaufhörlicher Strom in beide Richtungen. Gute Straßenmusikanten bildeten Trauben um sich, auch schlechte spielten an jeder Ecke. Die Straßencafés voll. Ein Freund von uns arbeitet in einem. Wir haben bei ihm vorbei geschaut. Der Mann war völlig entnervt. Nicht wegen der vielen Leute. Eher wegen der drei lustigen Zig Straßenmusikanten aus dem südosteuropäischen Raum. Eine Trommel, ein Saiteninstrument. Und. Eine. Klarinette. Sie spielen direkt gegenüber von dem Café, wo unser Freund arbeitet. Der kann also nicht vorbeilaufen. Nein, er muss es hören. Und zwar sehr lang. Die gehen zwar nach einer halben Stunde woanders hin. Aber sie kommen wieder. Und musizieren gnadenlos. Der Klarinettenspieler ist der Hammer. Er spielt nämlich nicht etwa eine nette Melodie, die zum Rhythmus der Trommel passt. Nein, er spielt IRGENDETWAS und das unaufhörlich. Das mag ja schön ethno sein, aber selbst für mein musikalisch sehr tolerantes Ohr ist das zu heftig.

Schnell weg in den Kaufhof, Darts kaufen, dann hier noch was gucken und dann nochmal auf die Schildergasse zurück. Jetzt wollen wir bei unserem Freund doch eine Cola trinken. Die drei Musikanten sind weg. Unser Freund so: „Wenn die aufhören, hat man erst mal das Gefühl, die ganze Schildergasse sei plötzlich menschenleer, so still ist es dann.“

Wir also Kaffe, Cola, ein alkfreies Weizen und haben Zeit, mal die vielen Menschen zu scannen, die so vorbei laufen. Was mir als erstes auffällt: Die sind sofort ohne Socken unterwegs. Ohne Socken in ihren bunten Sneakern, in ihren Sandaletten, auch Flipflops habe ich gestern schon gesehen. Hotpants! Kein Wunder, wenn die alle später an chronischer Blasenentzündung leiden. Keine dicken Jacken mehr, dafür umso mehr dicke Bäuche. Bei Frauen und bei Männern. Bei Teeniemädchen, die das Desaster noch mit entsprechend enger Kleidung betonen. Ich weiß gar nicht, warum die sich wegen Germanys Next Top Model und dem Schlankheitswahn so Sorgen machen. Ich habe davon gestern nicht wirklich etwas bemerkt.

Der frühe Frühling bringt also nicht nur Schönes zutage. Aber Tausende, die sich freuen und mit zufriedenem Grinsen in die warme Frühmärzsonne blinzeln, die Kölner Grünflächen bevölkern und die erste Wurst auf den Grill hauen.

Und es beschleunigt sicherlich den Heilungsprozess für die Karnevalskranken. 🙂

„Köllefornia“ ist übrigens ein Song unserer wunderbaren Kasallas.

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