Böses, böses Internet!

Überwachung, Spionage, Mobbing, überall Schnüffler, Hacker, Trolle, Stalker, das Netz ist voll von Viren, Trojanern und anderem Gewürm und auch die Handys sind nicht mehr sicher. Die Netz-Apokalypse naht.

Im Zuge des Safer Internet Day, den die Welt auch dieses Jahr wieder relativ unbeachtet am 11. Februar gefeiert hat, habe ich festgestellt: Es ist schon ganz schön viel über das Thema geschrieben worden. Sicheres Netz für Kinder, sicheres Netz für Jugendliche, sicheres Netz für Senioren, für verfolgte Blogger, für Journalisten und andere Randgruppen. Facebook und Google sind Datenkraken, Hacker entern Tante Ernas Heim-PC und die NSA ist sowieso überall.

Und jetzt auch noch dies: WhatsApp ist nicht sicher. Die Katastrophe der Katastrophen ist eingetroffen. (hab ich an dem Tag, an dem ich diesen Text geschrieben habe, noch gemeint. Aber es kann ja noch viel schlimmer kommen, siehe Nachtrag) Kurz nachdem der Messenger endlich auch für Androids zu haben ist, kommt jetzt dieser Schlag ins Gesicht der digitalen Kommunikationsgesellschaft.

WhatsApp hat Zugriff auf die Adressbücher der Nutzer und kann auch Bewegungsprofile erstellen. Die Daten gehen, wie so vieles an irgendwelche düsteren Serverbänke, die natürlich alle in den USA rumstehen, weil die ja gar nicht wissen, was Datenschutz ist.

Ich sehe da direkt so eine Matrix-ähnliche riesige unheimliche dunkle Halle, in der es überall böse blinkt, da sind sie alle, all unsere Daten. Da irgendwo kann man lesen, dass ich heute Abend lieber auf dem Sofa sitzen bleiben möchte. Da irgendwo haben US-Geheimdienste oder andere Schurken Zugriff auf das Foto, das meine Tochter mir letztens geschickt hat. Da ist ein Hund drauf. Die Info dazu: „So einen will ich später mal haben.“

Wow, viel Spaß mit dieser Information.

Trotzdem. Doof ist das schon. Die wissen schon alle ganz schön viel über mich, auch der Zuckerberg und der Schmidt auch. Also, wenn mich einer googelt … heieiei. Die ganzen Millionen Beiträge, die ich schon geschrieben habe. Der Flötenfrosch hier. Und uraltes Zeugs. Fotos, die in der Bilddatenbank meines Arbeitgebers gespeichert und in irgendwelchen Artikeln verwendet wurden. Also, es ist viel in Wort und Bild, nun ja, ich habe mir das halt so ausgesucht, das digitale Leben.

Trotzdem weiß auch ich, dass ich nicht mehr weiter so mit meiner Präsenz im Netz herumwerfen sollte. Also einfach ein bisschen Schadensbegrenzung betreiben. Ich sollte zuallererst mal WhatsApp löschen. Und ich sollte endlich damit anfangen, meine Mails zu verschlüsseln. Und meine ganzen vielen Passwörter mal ändern. Und mir mal ne ordentliche Sicherheitssoftware auf die Macs laden. Und so weiter.

Och mann. Es ist im digitalen Leben so wie im richtigen. Was Spaß macht, muss weg. Weil das Internet böse geworden ist. Und die übelsten Fallen stellt es einem da, wo es am meisten Spaß macht: Da, wo mit anderen Menschen kommuniziert wird.

Die Inspiration zu diesem kleinen Text gab mir letztens eine Bekannte, die mir deutlich gesagt hat, dass sie keine Bilder von sich im Netz wünscht. Es ging um ein Urlaubsfilmchen, das ich gerne hier im Blog bzw. auf meinem Vimeokanal hochgeladen hätte. Also ein bisschen Skifahren, alle sind mal kurz zu sehen, fast immer mit Helm und Skibrille. Einmal auch mit einem Getränk in der Hand. Nett, ohne groß Partyalarm und nackten Brüsten. Nun, sie wollte nicht, eine andere auch nicht, ok, dann werde ich das Teil hier und auch sonstwo auch nicht posten, ist ja klar.

Was mich wirklich erschüttert, ist die Tatsache, dass sie die Info, dass sie sich nicht im Netz sehen will, ausgerechnet über WhatsApp geschickt hat. Tstststs.

Ich glaube, es gibt noch viel Aufklärungsbedarf.

+++ Nachtrag 20.2.+++ Also jetzt ist ja noch alles viel schlimmer. Der Zuckerberg hat WhatsApp gekauft. Jetzt dreht die Welt komplett durch. Jetzt ist das Internet nicht mehr böse. Es ist jetzt seeeehr böse. Und alle wollen Threema.

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2 Gedanken zu „Böses, böses Internet!

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