Antwort auf den Julia-Hype

Klar, da kann man schnell drauf kommen: Guckt euch mehr Poetry-Slam an! Nicht nur Julia hat was zu sagen! Danke u.a. an Johnny Haeusler, der im Spreeblick und auf Facebook den Impuls gegeben hat. Ich bin dabei.

Da steht die Julia in einem Hörsaal und spricht über das, was das Leben nachhaltiger machen könnte. Wie es ein könnte, wenn man mal endlich was tut, anstatt sich andauernd nur was vorzunehmen. Und wird 3 Millionen Mal angeklickt und alle finden das voll toll, naja, nicht ganz alle, denn schon kommt die andere Fraktion daher und macht das Kind nieder, naja, so ist das im Netz, keiner ist sicher, auch ich nicht und du auch nicht. Es ist immer eine Frage von Geschmack. Dann eine von Wichtigtuerei und vielleicht auch eine von Neid und dann – blöd – auch eine von SpaßamScheißesein.

Und auch die Kritik von Leuten, die, nachdem sie dem Video den 2.285.986. Klick beschert haben, stirnrunzelnd davor sitzen und sich fragen: Hm, warum die, warum nicht ich? Ich fülle Seiten und schreie Mikrofone voll mit meinen Worten, die keiner liest, keiner hört. Und da kommt so ne blonde Soap-Tussi daher und rockt das Netz mit der „Baseline ihres Alltags“….?

Nanana.

Es hätte jedem mit jedem Text passieren können, der was zu sagen hat und einen Nerv berührt. DEN Nerv. Ich verstehe die, die sauer sind. Aber hey, euch hat halt noch keiner gefunden. Macht weiter!

Und dann die Medien, die immer gerne auf ein gehyptes Thema aufspringen, dann gibt’s nämlich Klickzahlen. Nanana. Die hat’s für den Artikel über das Video, den ich gestern für meinen Arbeitgeber verfasst habe, auch gegeben. War gar nicht meine Absicht, ich hatte gestern einfach Bock, darüber zu schreiben, weil mich das bewegte, was ich erst heute in Worte fassen kann.

Ich will hier Klickzahlen für diesen Mann hier:

Der Jon Lorenzen hat mich mit seiner Liebe zu seinem Bruder berührt. Das hat mir feuchte Augen beschert. Das, was der zu sagen hat, ist WICHTIG. Toll, und danke, @Natze Amüsiering auf Facebook. Dass du das Ding geteilt hast. Das, was der da sagt, haut einen mehr auf den Boden zurück als Julia Engelmanns Worte. Aber ihre Worte haben es angestoßen. Ohne sie wäre ich nicht auf den Mann gestoßen, der seinem Bruder mit seinem Text ein wunderbares Denkmal gesetzt hat.

Ich will gar nicht weiter Videos von Poetry-Slammern hier posten, das machen jetzt ganz viele Blogger, und wenn ich jetzt versuche, was Tolles, Berührendes, Wichtiges zu finden, was noch kein anderer gefunden hat, dann sitze ich noch heute nacht hier.

Guckt es euch selber an, GANZ YOUTUBE IST VOLL DAVON! Es gibt so sehr viele Leute, die was zu sagen haben. Der Julia-Hype zeigt, dass manchmal welche von ihnen gefunden werden.

Wir Blogschreiber hier sind ja auch irgendwie Slammer. Irgendwann schreibt einer von uns einen Text, der gehypt wird. Und dann kommen sie alle aus ihrer Bubble – die Blogger, Schreiber, Autoren, Rufer, Dichter, Musiker, Schreier, die, die etwas zu sagen haben und dann hören sie alle zu. All die anderen, die Medien, und schließlich auch Beckmann, Jauch und Illner.

Wenn der Julia-Hype DAS bewegen kann, dann ist ihr Video definitiv mehr als ein genial vorgetragenes Lamentieren über eine Generation, die offenbar nicht mehr so genau weiß, wohin mit sich.

Wieder hat ein Ding aus dem Netz was angestoßen. Wie der #aufschrei vor einem Jahr. Es ist gut so!
Ich freu mich auf all die, die noch gefunden werden. Ich freu mich auf all die wichtigen Worte, die wir noch lesen und hören werden, weil irgendeiner sie findet und plötzlich alle drauf abfahren.
Es ist gut so.

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