Extreme-Weihnachtsnomadismus

Dieses Jahr bin ich Weihnachtsflüchtling. Ich gehe einfach weg. Ganz weit weg, nämlich dahin, wo es nur Schnee und Landschaft und ein paar Pferde gibt. Und meine Schwester.

Sonst kommt sie fast immer her. Aber diesmal klappt es nicht – sie hat keinen Babysitter für ihre Tiere. So sagte ich recht spontan – die Idee kam, während ich eine Facebook-Nachricht an sie schrieb – du ich komm dann mal in Wyoming vorbei über Weihnachten. Sie versuchte mich noch mit allerlei schwachen Argumenten davon abzuhalten. Hier ist nichts los, wir können nichts machen, hier gibt’s nur Tiere füttern und Scheiße von den Stallwänden kratzen und sonst nur Schnee und Schnee und Schnee.

Nun, ich dachte, außer Schnee gibt’s auch eine Schwester da und blieb hartnäckig. Der Flug ist gebucht und ich bin dann mal kurz in Amerika.

Denn Weihnachten hier wird irgendwie auch von Jahr zu Jahr komischer. Ich bin ja jetzt nicht so der religiös motivierte Heilig-Abend-Fan. Wann ich das letzte Mal am 24. Dezember einen Baum hier stehen und ganz viele Menschen um mich rum hatte, das kann ich gar nicht mehr sagen.

Denn jedes Jahr aufs Neue werde ich zum Weihnachtsnomaden. Das geht schon damit los, dass meine Söhne nie hier sind, seit sie beim Vater leben. Also gut, dann eben „Vorweihnachten“ mit den Söhnen am Wochenende davor, weil sie am 24. immer auf den Vater gebucht sind. So stellt sich für den Tag selber immer die Frage: Zu welchen Eltern geht’s denn diesmal? Besinnlich beim anderen Frosch? Da gibt’s eine riesige Familie mit ganz vielen Kindern und Geschenken und Kirchgang und gutem Essen und, ja auch etwas zu trinken. Oder eher im etwas kleineren Kreis und nicht sehr heilig aber dafür um so weinseliger bei meiner Familie? Nun ist diese nicht besonders groß und gerade vor drei Jahren um einen wichtigen Teil dezimiert worden – übrig ist also ein nicht so traditionell veranlagter Haufen, der – so geht es zumindest mir – eher froh ist, wenn dieser komische Tag da vorüber ist.

Ich habe diesen Abend auch schonmal in einer Kneipe verbracht. Da war die Verbindung mit dem anderen Frosch noch in der Entwicklungsphase, ich also allein und dachte, gut, geh ich mal aus, das soll gar nicht so schlecht sein. Nix da mit traurigen Gestalten die vor lauter Einsamkeit den Tresen nass heulen. Nee, eine ganz entspannte Atmosphäre war das, nette Gespräche, gut gelaunte Menschen. Später in der Nachbarskneipe wurde die Gitarre ausgepackt und die ganze Nacht gejammt. Ziemlich gelungen. Vielleicht muss man aber an so einem Abend auch wirklich im Frieden mit sich selbst sein, um das wirklich gut zu finden.

Nun, dieses Jahr wurde ich etwas bockig und meinte, ich will EINMAL, dass ALLE mal hierher kommen. Zu uns ins Flötenfrosch-Basecamp. Alle mal hier her, um den langen Tisch rum, mit Baum und Kerzen und Hausmusik und Millionen Geschenken und Kindern und Freunden und Papas und Mamas und schönem Essen und viel Wein.

Tja, klappt nicht. Vielleicht sollte ich ein solches Projekt viel früher planen. Mal gucken, nächstes Jahr vielleicht. Jetzt aber erst mal: Vorweihnachten mit meinen Kindern, und dann: ab dafür!

Vielleicht hat meine Schwester noch ihre Harley im Wohnzimmer stehen, mit Lichterketten dran. Ich stelle mir einen entspannten Abend am Kamin vor, umgeben von gefühlten 20 Katzen und 7 Hunden, draußen klirrende klare Schneekälte, drinnen ein illuminiertes Motorrad, amerikanische Country&Western-Weihnachtslieder und etwas zu trinken. Ich glaube, sie hat schon vorgesorgt 🙂

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