Glück. Ein Definitionsversuch.

Themenwoche in der ARD – es geht um GLÜCK. Mir gefällt das Thema. Wirklich. Weil es erdet. Und weil es auch spannend ist, denn kein GLÜCK ist wie das andere und kein UNGLÜCK ist wie das andere.

Da sitzen am Sonntag Abend nach dem Tatort bei Jauch vier verschiedene Leute, denen GLÜCK und UNGLÜCK aus völlig verschiedenen Richtungen begegnet sind. Unter ihnen Samuel Koch, der bei „Wetten dass…?“ verUNGLÜCKt ist. Der mit seinem Schicksal längst nicht fertig ist. Der zugibt, dass er natürlich Geld braucht, um ein bisschen GLÜCKlicher zu sein, sprich um sich besser bewegen zu können mit seiner Lähmung. Vielleicht hat er oft darüber nachgedacht, ob er wirklich GLÜCK hatte, weil er nach diesem Unfall noch lebt oder ob er sein Überleben nicht vielleicht als ein UNGLÜCK empfindet. Der gesehen hat, dass Menschen in Armut GLÜCKlicher sein können, als er es – vielleicht – jemals wieder sein kann. Der aber auch die kleinen GLÜCKe in seinem Leben erkennt und schätzt – wie er sagt.

Es ist so wahnsinnig relativ, wann ein Mensch etwas als GLÜCK empfindet. Die Mutter, die es GLÜCKLICH gemacht hat, dass sie ihren leukämiekranken Sohn in seinen letzten Lebenswochen lachen gesehen hat. Da habe ich einen großen Respekt vor. Wie viel GLÜCK man empfinden kann, während es einem beschissen geht, weil man gerade sein Kind verliert.

So vielen Menschen geht es beschissen. Weil sie gerade von einem Taifun heimgesucht worden sind und alles verloren haben, auch das Zuhause. Weil sie vor einem Krieg flüchten und in Lagern auf eine irgendeine Zukunft warten. Weil sie nach einem Unfall querschnittsgelähmt sind. Weil sie ihre Kinder sterben sehen. Und dennoch erleben manche von ihnen Glück, und wenn es nur ein winzig kleines ist – vielleicht, wenn ihnen ein anderer einfach die Hand hält.

GLÜCK und UNGLÜCK sind verdammt individuell.

GLÜCK gehabt! Die Eier sind im Karton nicht zermatscht.

GLÜCK gehabt! Das Arschloch auf der Brücke hat dich nicht getroffen, als er den Stein runter auf die Autobahn warf.

GLÜCK ist eine Momentaufnahme, ein Schnappschuss: Ein Lottogewinn, ein Sieg beim Sport, ein wiedergefundenes volles Portemonnaie, aber auch eine tolle Party, eine schöne Musik.

Mich macht es GLÜCKlich, wenn ich auf Fels und Wasser gucken kann. Und der andere Frosch macht mich GLÜCKlich. Er kann mich aber auch ganz schnell UNGLÜCKlich machen, wenn er geht.

Beim dauerhaften GLÜCK müsste man ja andauernd einen GLÜCKlichen Moment nach dem anderen erleben. Das ist utopisch. Wenn ich jeden Tag, an dem einem meiner Kinder nichts passiert, als „GLÜCK gehabt“ abtun würde, wäre ich längst irre. Weil dann müsste ich ja jeden Tag befürchten, dass ein UNGLÜCK geschieht.

Heieiei, es ist schon schwer, dieses komische GLÜCK in Worte zu fassen. Man sollte ein anderes Wort für das DauerGLÜCK wählen, das, was eine lange GLÜCKliche Ehe, gesunde Kinder, die eigene Gesundheit, ein ordentlich bezahlter Job, Freunde und die warme Heizung im Winter ausmacht.

Nennen wir es Zufriedenheit.

Wenn dann mal was nicht so läuft, dann kann man ruhig mal unzufrieden sein. Ein UNGLÜCK ist weit mehr als ein zermatschter Eierkarton.

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