Kranke geile Scheiße

Mein Arbeitgeber möchte sich verjüngen. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Denn eine schwungvolle Generalüberholung ist schon längst mal fällig dort.

Zu diesem Zweck sind ein paar ausgesuchte Leute aufgerufen, ein paar ausgesuchte Leute zusammenzusuchen und ein Grüppchen zu bilden, das den Laden auf Vordermann bringt. Nun, nicht den ganzen Laden. Also Teile davon, Teile, die mehr so die jungen Menschen ansprechen sollen. Endlich mal wieder eine neue Zielgruppe. Youngster.

Ja, das ist schon eine schöne Idee. Dass die ganze Sache intern mit einem Hashtag und dem Zusatz 3.0 beworben wird, dazu äh sage ich jetzt nichts.

Was mir ein bisschen quer läuft, ist die Tatsache, dass die ausgesuchten Leute, die die ausgesuchten Leute aussuchen sollen, bitte „nicht viel älter als 30“ sein sollen.

Oh. Mist. Da bin ich seit 28 Jahren bei diesem Laden und wollte schon immer mal was Geiles Neues für den Verein machen, bin aber nie gefragt worden und jetzt kommt endlich so ein Ding und ich kann nicht mitmachen, weil ich dann doch etwas zuviel älter als 30 bin?

Dann gab es gestern beim Mittagessen eine fröhliche Runde (deren Altersdurchschnitt ich erheblich angehoben habe), der ich eröffnet habe, dass ich mich trotzdem bei dem ausgesuchten Clübchen bewerbe. Und die so: „Echt?“ Und ich so: „Das wird voll das geile Video, wo ich so mit Hut und Chucks reinspringe und lustige Schilder hochhalte mit so Wörtern wie SWAG und ganz vielen #### und kleinen Schnurrbärten und dann lege ich fetten Dubstep drunter, packe noch ein paar Vines dazu, stelle überall Club Mate hin, poste noch ein paar lustige Tweets und Instagrams und bau noch ein tumblr und guck nach ein paar Links, wo ich coole Sachen geschrieben habe und packe das alles in ein Storify. Oder mach irgend so ’ne Thinglink-Sache.“

Und meine Kollegin so: „Nimm doch einfach dein letztes Video vom Canyoning oder sonst einen Film wo du irgendwo runterspringst.“ Das sorgte für Heiterkeit.

Und ich so: „Ich könnte ja auch noch einen Harlem Shake machen. Oder irgendwie so einen Flashmob in unserer überlaufenen Kantine starten.“

Es war ein lustiges Mittagessen. Ich mach das. Ich mache irgendeine kranke geile Scheiße. Nicht ganz so bescheuert wie oben beschrieben. Man soll ja auf keinen Fall annehmen, dass ich die Sache nicht bitterernst nehme, oder, noch schlimmer: mich der Jugend anbiedern will. Ich habe bis Halloween Zeit. Ich weiß nicht, ob und wie ich es schaffe, aber irgendwie will ich den Leuten zeigen, dass man nicht raus ist, wenn man etwas viel älter als 30 ist. Also echt.

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