Wenn die Kanzlerin derbe Skills droppt

Wahlkampf. Gähn. Uns „Erwachsene“ erreichen Politiker und Parteien schon nicht mehr wirklich. Weil wir sie durchschauen. Aber bei einer Bevölkerungsgruppe versagen sie auf ganzer Linie:

Bei den jugendlichen Erstwählern. Eine Wählergruppe, die irgendwie von nichts, aber auch gar nichts angesprochen wird, was die sogenannten etablierten Parteien so raushauen. Ich habe noch kein Wahlplakat gesehen, das in irgendeiner Form ansprechend wirkt. Das funktioniert weder bei mir noch bei den Kids. Was soll ich mit einem schlechten Foto und dem Namen meines Kandidaten? Was soll der Wählernachwuchs damit?

Diese völlige Ignoranz der „neuen“ Medien. Uuuuh nein, die Kanzlerin twittert nicht, dieser unsägliche Neuland-Scheiß, dieser peinliche Auftritt so mancher Politiker in den sozialen Medien. Nur ein paar haben Plan davon. Und posten und twittern sogar selbst. Die anderen lassen machen, oh Gott, nichts ist langweiliger als diese Pressemitteilungsverlautbarungsseiten von Angie und Co. Was soll der Wählernachwuchs bitte damit?

Ok, dann versucht man es eben im Fernsehen mit lustigen Talkshows, wo Politiker mit Jugendlichen und deren Sprache konfrontiert werden. Pro7 tut es und auch die ARD tut es. Da interviewt ein kauziger Reporter Politiker und will von ihnen wissen, was denn ihr Swag ist. ??? Dann will er einen Fist-Bump. ??? Und fragt, was sie von den derben Skills halten, die die Kanzlerin letzte Woche gedroppt hat. ??? Nun, wollte man damit die Politiker vorführen? Ich hatte bei diesen Szenen immer ein sehr ambivalentes Gefühl, zwischen fremdschämen und Mitleid. War der penetrant coole Checker mit dem Mikrofon peinlicher oder die PolitikerInnen, die nicht wirklich damit umgehen konnten…?

Und zu guter Letzt gibt es hübsche Wahlkampfsongs. Sie tun es irgendwie alle, aber am allerallerschlechtesten macht es die CDU. In letzter Zeit poppen ja so einige Peinlichkeiten bei youtube auf. Ferrero ist sich seines Fehltritts schnell genug bewusst geworden, hat den misslungenen Werbespot von der Seite genommen und konnte so den schlimmsten Shitstorm vermeiden. Der CDU-Wahlkampfsong jedoch ist immer noch online. HIER ist er auch für euch, liebe Flötenfroschfreunde, falls ihr das Ding noch nicht bei Facebook gesehen habt.

Den Song gibt es sogar in vier verschiedenen Mixen. Mann, und da waren noch nicht die großen DJs mit dran. Ich könnte mir gut einen Oliver Koletzki-Mix vorstellen (der macht das ganz gut mit Shantel oder Klangkarrussell) oder von F&K oder so einen krassen Hauswerks-Remix mit fettem Minimal-Beat. Dann hätte das alberne Gehopse von dieser talentfreien Hupfdohle in dem Video wenigstens einen Hauch von Sinn.

Schluss mit den musikalischen Fantasien und Zeit für ein Fazit. Dass Politiker erst in der „heißen Wahlkampfphase“ (WTF: Journalistensprech!) entdecken, dass es Jugendliche gibt, die sehr gerne angesprochen werden würden, in einer Sprache, die sie verstehen, die weder langweilig noch anbiedernd daherkommt, ist traurig. Es sieht einfach komisch aus, wenn sie die restlichen dreieinviertel Jahre einer Legislaturperiode noch weniger wahrgenommen werden als der Rest der wählenden Bevölkerung.

Auch ich stehe schon wieder ratlos da. Was ist das kleinere Übel?

Der Wahlomat sagt mir jedenfalls: ich bin ein linksgrüner Pirat mit NPD-Sympathie. Na Bravo.

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