Küsschen und ein dickes Auto

Empörungen auf der ganzen Linie, berechtigt, unberechtigt, beides knallt in diesen Tagen durchs Netz. Das eine ist ein Werbespot. Das andere sieht nur aus wie ein Werbespot. Bei dem einen geht die Botschaft unbeabsichtigt nach hinten los, bei dem anderen geht sie sehr beabsichtigt nach vorne.

Ferrero macht ja auch weiße Schokolade und bringt alle Jahre wieder seine Küsschen-Serie mit weißer Schokolade heraus. Daran ist nichts Verwerfliches, es ist lecker, wie auch das weiße Twix oder weiße Kitkats.Irgendwie greifen die aber bei der Wahl ihrer Werbeagentur ständig ins Klo. Denn schon immer waren die Ferrero-Küsschen-Spots ALLE scheiße, aber der neueste toppt alles.

Man hat einen „Wahlwerbespot“ kreiert, der ganz doll lustig sein sollte und auch unseren deutschen Wahlkampf ein bisschen durch den (weißen?) Kakao ziehen sollte, mit dem Slogan „Deutschland wählt weiß“. Heieiei. Und dann noch diese höchst abstruse Idee, das Ganze in ein US-amerikanisches Wahlpartyszenario zu setzen. Die lustigen jungen Menschen heben dort Plakate hoch und skandieren: YES WEISS CAN. Wenn Barrack Obama in diesen Tagen nicht so viel über Angriff und Krieg nachdenken würde, könnte man ihm sicherlich diesen kleinen Clip vorspielen. Zur Ergötzung über die Dummheit deutscher Werbeprofis.

Höchst irritiert frage ich mich, warum dieser peinliche Fehltritt NIEMANDEM aufgefallen ist. Wer guckt sich so einen Spot an, bevor er veröffentlicht wird? Wer nimmt den ab? Das kann doch nicht ein einziger versoffener Werbefuzzi entscheiden. Ich stelle mir vor, da sitzen ganz viele CEOs am Tisch und checken den Spot erst mal auf seine Qualitäten ab.

Waren die alle wahrnehmungsresistent? Oder haben die zuviel Mon Cheri gegessen (danke, An Gie)?? Ferrero hat sich mittlerweile entschuldigt, nun ja. Eher rechtfertigt, sagt man dazu. Ich verlinke mal auf das Ding, es ist ja immer noch zu sehen im großen Internet.

+++Nachtrag+++ich sehe soeben, dass Ferrero den Clip von der Seite genommen hat. Muuuahahaha+++++

Und das am 50. Jahrestag der Martin Luther King-Rede. Passt ja ausgezeichnet.

Zweitens. Ein Mercedes rollt durch ein Dorf, die Szene spielt offensichtlich im vorletzten Jahrhundert. Auf der Straße spielt ein Junge, die Mutter beobachtet ihn durch das Fenster. Der Mercedes hält auf den Jungen zu – und überfährt das Kind. Die Mutter schreit den Namen des Kindes: „Adolf! Adolf!“ Die Kamera schwenkt auf das Ortsschild. Braunau am Inn. Die Pointe: ach, schaut selbst.

Warum dieser Spot KEINE Werbung ist, ist völlig ersichtlich, dennoch gibt es viele Leute, die sich darüber aufregen und tatsächlich denken, dass Mercedes hinter dem Ding steckt.

Ich bin mal wieder sprachlos darüber, wie wenig Feinsinn bei uns Menschen herrschen kann. Ich finde, das Ding ist sehr gut gemacht, es hat direkt mehrere Facetten, es ist nirgendwo abstrus um die Ecke gedacht. Auch wird hier nicht gedankenlos eine ganze Riesengruppe von Menschen verunglimpft. Und wer sich über ein mit Absicht überfahrenes Kind beschwert, der hat die Metapher nicht verstanden.

Der Clip greift übrigens die Idee aus einem Buch auf, das ich schon zweimal gelesen habe, und ich werde es wieder lesen: Stephen Fry – Geschichte machen. Hier wird mittels einer Zeitmaschine versucht, die Geburt Hitlers zu verhindern, was aber nicht ganz so läuft wie geplant.

Bleibt nur jetzt die Frage: Was mache ich mit meinem Nutella-Glas? Nutella kommt von Ferrero und ich damit in einen Gewissenskonflikt.

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Ein Gedanke zu „Küsschen und ein dickes Auto

  1. Lösung für’s Nutella-Glas: Schick es zu mir. Nur weil eine Firma keine Werbung machen kann heißt das ja nicht dass sie schlechte Produkte hat 🙂

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