Oh! Bücher!

Lesen und Literatur ist ja was, über das man endlos schreiben und reden kann. So eine Vielfalt. So viel Schrott! Und so viel geiles Zeug. Tonnenweise werden jedes Jahr Bücher gelesen, und Terabytes an E-Books befinden sich auf E-Readern und Tablets.

Und dann bloggen auch noch Leute darüber. Sie schreiben übers Schreiben. Weil ich viel gucke, was die anderen so alles schreiben, habe ich auch im Blog von Thomas Boley einen schönen Text gefunden. „Ein Platz für tote Bücher“ beschreibt das ganz normale Verhältnis eines ganz normalen Menschen zu Büchern und Literatur. 

Das hat mich direkt zu einem kleinen Text angestachelt. Meine literarische Früherziehung begann mit den damals handelsüblichen Kinderbüchern, deren Titel ich mittlerweile vergessen habe. Auch die Kleine Hexe war dabei (damals noch in der politisch unkorrekten Ausgabe;-) und eine Mischung aus Bilderbuch, Kurzgeschichten und Kindergedichten aus den 40er Jahren. Aus diesem Buch war schon meiner Mutter vorgelesen worden. Dunkel war’s, der Mond schien helle, Schnee lag auf der Sommerflur… ich kann fast das ganze Ding noch auswendig. Das Buch fanden sogar meine Kinder noch klasse.

Stunden, Nächte mit Taschenlampen unter der Bettdecke, in höchster Erstickungsgefahr, verschlang ich die Abenteuerbücher von Enid Blyton. Krabat hat mich nachhaltig beeindruckt und die beste Piratengeschichte außer „Fluch der Karibik“ ist „Der Geist in der Mittagssonne“ von Sid Fleischmann.

Ich entdeckte im Bücherschrank meiner Eltern Gustav Schwabs „Sagen des klassischen Altertums“. Die komplette griechische Mythologie. Diese Geschichten über Odysseus, Herkules, Jason, die ganzen Götter und Halbgötter und Helden und bösen Frauen haben mich fasziniert.

Später kam die Phase des verkifften Intellekts, alle haben Hesses Siddharta gelesen und Micheners Kinder von Torremolinos, nun ja, ich hab mich da auch durchgebissen.

Meine literarische Emanzipation versuchte ich später mit Gottfried Benn zu erreichen. Was mir nur bedingt gelang, lieber las ich dann Zeitgeist-Romane – ja, ich gebe es zu – bis hin zu Hera Lind, oh Gott. Und entdeckte Stephen King. Seit „Es“ sind Clowns für mich endgültig nicht mehr tragbar. Am Stand von Santorin, in der schönsten griechischen Sonne, erlag ich komplett der Faszination dieses brachialen Psycho-Horrors – es war der Hammer.

Meine Pflegefälle: John Irving. Von den einen hoch gelobt, man lachte sich kaputt über viele Szenen. Ich konnte das nicht, der Mann konnte mich nicht erreichen. TC Boyle. Der ist irgendwie auch anstrengend zu lesen, aber seine Geschichten sind so verdammt gut, dass ich dann DOCH ganz viele gelesen habe. Arbeit, die sich lohnte, weil die Geschichten hängen geblieben sind. Ausflüge in die „selbstverliebte Hochliteratur“ beschränkten sich auf Wilhelm Genazino und Birgit Vanderbeke. Gehört Daniel Kehlmann auch dazu? Großartig. Der Ulysses steht im Regal und wartet, ich habe mich getraut, eine Seite zu lesen und war ratlos.

Und dann das Eintauchen in die Krimis, diese Freude an übelsten Psychomassenmörderkrimis von kranken Leuten die kranke Dinge mit anderen Menschen anstellen, Bücher, die von Literaturpäpsten und Feuilletonisten zerrissen werden, deren Inhalte irgendwie dann doch nicht hängenbleiben – ich lese die Dinger weg wie andere bei McDonalds Hamburger verschlingen. Ja, ich stehe dazu, dass ich mich beim Lesen selten anstrengen möchte. Ich lese Ken Follett, ich lese Jussi Adler Olsen und Hakan Nesser und andere Massenware.

Und ich habe schon einige Bücher weggestellt, sogar ein Buch von Haruki Murakami ist dabei, jawohl, es war mir zu anstrengend. Auch Shades of Grey musste sterben, ja, ich habe versucht, es zu lesen, den ersten Teil habe ich geschafft, kurz nach Beginn der Fortsetzung habe ich die Trilogie entnervt von mir geworfen, es war eine Leihgabe, der ich auch hier im Flötenfrosch-Blog auch einige „böse Wörter“ widmen musste. 

Als mein Arbeitgeber noch eine Literatur-Rubrik hatte, durfte ich Bücher rezensieren. Ich habe es mit großer Akribie getan, ich habe sie alle komplett durchgelesen und meine Meinung dazu abgegeben. Eins habe ich auch richtig zerlegt. Das fand meine Redakteurin überhaupt nicht gut, weil sie das Buch mochte. Nun, sie hat mich nur ein kleines bisschen zurück gepfiffen – ich musste die ganz bösen Spitzen rausnehmen. Ich glaube nicht, dass das Machwerk ohne meine bescheidenen Worte andere Verkaufszahlen erreicht hätte – es ist jedenfalls nicht auf die Bestsellerlisten geraten.

Wie schön, dass nicht alle Menschen alle Bücher gleich gut finden. Wäre es anders, gäbe es diese wundervolle Vielfalt nicht.

Zum Thema „viel“: Nach meinem letzten Umzug habe ich sehr viele Bücher verschenkt, vor allem an die Stadtbücherei. Meine Billy-Regale platzten, die Bücher standen in zwei Reihen. Mittlerweile besitze ich ein elektronisches Device, auf dem ich – bisher – gut 40 Bücher gespeichert habe. Ein Ding, kaum größer als ein Buch, auf das noch 1000 weitere elektronische Bücher passen. Ach ja, das Haptische. Mein Gott. Wir gewöhnen uns an Handys, an Navis und den ganzen Fortschritts-Schnickschnack. Dann können wir uns doch auch an das Tippen auf ein Display gewöhnen, oder?

Und die Papierbücher sterben eh nicht aus. Bei mir stehen sie neben, über und hinter den Schallplatten.

© silke wünsch

Analoges Bücherregal im Flötenfrosch-Basecamp

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