Wieder da…

In diesem Jahr habe ich mir den Luxus gegönnt, eine fünfwöchige Auszeit zu nehmen – und habe sie voll ausgeschöpft. Das meiste davon an der frischen Luft.

Im letzten Post habe ich euch ein Video gezeigt, das alles erklärt, was zum Canyoning dazu gehört. Dem ist kaum etwas hinzuzufügen. Das Naturerlebnis ist einzigartig, der Anblick von Bergen und Felsen und Seen ist für mich immer wieder erhabend, erfrischend, beruhigend.

Ich habe euch nicht vom Camping erzählt. Also Camping. Schon früh, also mit 17, 18, habe ich beschlossen, dass es nicht zu meinen Lebenszielen gehören würde, jeden Urlaub im Zelt zu verbringen. Ich wusste, wovon ich sprach, weil ich jahrelang mit der Familie im Sommerurlaub irgendwo gezeltet hatte. Camping. Zelten. Keine Ruhe. Nachbarn, die IMMER Lärm hervorbringen, egal welcher Art. Schnarchende Männer, plärrende Kinder, um 6 Uhr morgens das Zelt abbauende Holländer, die ganze Nacht durchsaufende Spanier, kopulierende Pärchen, Reißverschlüsse, die auf- und zugezogen werden.

Die langen Wege zu den sanitären Anlagen. Die völlige Intimlosigkeit bei der Körperpflege und auf den Klos. Rudelwaschen, Rudelzähneputzen, Rudelkacken, und das vor allem morgens nach der Frühstückszeit. Lecker.

Ich verstehe nicht, warum Menschen es nicht schaffen, ihre Haare und Zahnpastareste aus dem Waschbecken zu entfernen, und was manche FRAUEN auf den Klos hinterlassen, ist an dieser Stelle nicht weiter zu schildern. Duschen, die entweder zu kalt oder zu heiß sind und dann nur einen Strahl von sich geben, der irgendwo hin geht aber nicht auf einen runter.

Beim Spülen muss man fremde Essensreste aus dem Sieb klauben, und überhaupt geht das Fett von dem Plastikzeugs nicht ab, weil das Wasser meistens kalt ist. Wer schonmal nach einem Bolognese-Gelage spülen musste, weiß, wovon ich spreche. Das Rot und das Aroma bleiben.

Regenwetter ist schwierig, denn dann muss man immer alles ins Zelt retten und Gräben ziehen – bei Tessin- oder Verdon- oder Pyrenäen-Gewittern ist das tatsächlich von Vorteil. Früher reichte schon ein Holland-Regen, um ein Zelt mitsamt Inhalt komplett zu durchweichen.

Also alles eigentlich suboptimal.

Seitdem ich die Natur für mich entdeckt habe – als ich zum ersten Mal am Verdon war – hat sich mein Verhältnis zum Zelten grundlegend geändert. Damals am Verdon flog in der dritten Nacht mein komplettes Zelt einfach im Sturm weg. Nicht nur dieses Zelt. Auch Wohnwagen purzelten durch die Gegend und fast das gesamte Camp wurde zerlegt. Ein einziges Zelt blieb stehen, es hatte so eine Wolfstatze an der Seite und gehörte einem Menschen, der in einem Laden arbeitete, der Produkte dieses Outdoor-Herstellers verkaufte. Nach meinem stürmischen Verdon-Trip beschloss ich, mir ein kleines Zelt dieser Marke zu kaufen, ich bekam Prozente und überhaupt stand diese Marke damals noch nicht in dem Verruf, Lehrern und Wutbürgern vorbehalten zu sein. Jedenfalls war dieses Zelt der Anfang meiner zweiten Camping-Karriere und hat bis heute schon einiges Ungemach überstanden, so ziemlich alles, was die Natur so zu bieten hat.

Das Flötenfrosch-Camp. Mehr ist nicht nötig

Das Flötenfrosch-Camp. Mehr ist nicht nötig

Mittlerweile hat das Flötenfrosch-Team eine passable Ausrüstung. Ein größeres Zelt, einen Klapptisch und die unvermeidlichen Quechua-Stühle, die übrigens auch als Ersatz-Autositze in einen Ford Galaxy eingebaut werden können und jeglicher Fahrweise in den südfranzösischen Serpentinen standhalten. Und – was auf keinen Fall zu unterschätzen ist – wir haben einen echten Kühlschrank, der auch bei 50 Grad Außentemperatur (die im Zelt locker erreicht werden) noch kaltes Bier liefern kann, ohne dabei Lärm zu machen.

Wir trotzen Schnarchern, plärrenden Nachbarskindern und saufenden Spaniern. Wir schnarchen sicher auch selber schonmal und trinken unser letztes Bier später als 22 Uhr. In Rodellar (Pyrenäen) haben wir es unseren spanischen Nachbarn eines Abends mal so richtig gegeben. Nachdem sie uns die Nächte vorher keine Ruhe gelassen und bis morgens laut diskutiert hatten. Da haben wir eines Abends unsererseits einfach mal ein bisschen äh diskutiert. Und dachten: Lieber selbst feiern als sich wieder schlaflos auf der Matte herumwälzen und sich über die Idioten aufregen. Die Rechnung ging nicht auf. Um halb 3 (!) nachts fluchten die uns an. Silencio. Ich dachte, die machen Witze.

An der Ardèche gibt es einen Campingplatz, der so total total alternativ ist. Parzellen im Wald. Kein Strom. Sanitäre Anlagen gibt es dort schon, aber die betritt keiner freiwillig. Höchstens um heimlich zu kiffen. Warum man das dort allerdings heimlich tut, ist mir ein Rätsel, denn eigentlich hat man den Eindruck, dass dort alle kiffen. Tag und Nacht. Ebenso ist es dort völlig normal, dass man in den Wald scheißt und zum Pinkeln in die Ardèche springt. Manche schaffen noch nicht mal das, was man nach einer längeren Trockenperiode auch auf dem ganzen Areal gut riechen kann. Kaltes Bier ist dort natürlich Fehlanzeige, das Einzige (außer Kaffee oder Tee oder von mir aus auch stilles Wasser), das man dort trinken kann, ist Rotwein, der geht auch warm. Lebensmittel werden in Erdlöchern versenkt, mit einem nassen Handtuch drüber halten sie sich sogar eine Zeit lang. Wie das Handtuch nach ein paar Tagen riecht, möchte ich hier nicht genauer beschreiben.

Foto: © Silke Wünsch

Voll gechillt an der Ardèche

Aber sonst ist alles dort so voll total easy peasy. Voll die entspannten Leute. So entspannt, dass man auch schonmal ne komplette Kamera-Ausrüstung aus ’nem fremden Zelt mitnimmt. Nöööö hier klaut keiner was. OK, das war Lehrgeld.

Am Gardasee haben wir schließlich auch eines unserer letzten Camping-Rätsel gelöst: Es ging um die Frage, warum vor allem die Holländer ihren Kram früh um 6 Uhr anfangen abzubauen und damit ihre noch vom Vorabend angeschlagenen Nachbarn terrorisieren. Dieser Campingplatz war in einer anderen Kategorie, hier war alles top, bis auf die erbärmlichen Duschen und den Preis. Für 50 Euro kriegt man eigentlich auch ein Zimmer in einer Pension. Wir zelten aber nun mal lieber und nehmen für zwei, drei Nächte auch mal so was in Kauf.

Wie immer bauten wir am Abreisetag gemütlich ab und wollten mittags zahlen. Was wir nicht wussten: Um 10 Uhr hätte der Platz geräumt sein müssen. An der Rezeption gab es keine Gnade. Wir durften noch einmal einen kompletten Tag dazu zahlen. Camping Molino, bei Salo, am Gardasee, merkt euch das, meidet diesen Platz oder lest die Hausordnung. Die Holländer, das alte Campingvolk, die wissen so was. Respekt. Ich werde nie wieder in meinen Schlafsack fluchen, wenn neben mir um 6 Uhr früh ein Zelt abgebaut wird.

Es gibt ein altes kölsches Lied, gesungen und geschrieben von Karl Berbuer. Do laachs do dich kapott dat nennt mer Camping. 1955 hat er das geschrieben, Karneval gehört es zu meinen liebsten Songs und irgendwie schwirrt es mir immer wieder im Kopf herum, wenn wir irgendwo im Süden Europas unser froschgrünes Wurfzelt aufpoppen lassen, unseren Kühlschrank anschließen und den Tisch aufklappen. Die Stühle stehen schon längst, sie sind das erste, das wir aus dem Wagen ziehen. In der rechten Armlehne gibt es eine Vertiefung, in die eine Dose Bier genau reinpasst. Kaltes Bier natürlich.

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