Ommafahrrad war gestern

So, also, damit hier keine Fragen offen bleiben: Ich habe zum Geburtstag ein Pedelec bekommen. Das ist ein bescheuertes Wort für ein absolutes Fun-Gerät.

Es sieht aus wie ein Fahrrad. Es funktioniert auch wie ein Fahrrad. Man setzt sich drauf und tritt los. Wie jedes andere Fahrrad fährt es nicht von alleine. Aber wenn man los tritt, dann fährt es SCHNELLER.

Das geht zunächst ungefähr so: Morgens, 7:45 Kölner Südbahnhof. Ich schleppe das 20 Kilo schwere Teil die Treppen hoch. Der Akku ist im Rucksack, sonst ist das Rad noch ein paar Kilo schwerer. Dann stelle ich mich mit dem Ding in den Zug. Und fahre ne halbe Stunde nach Bonn. Es ist eng, Leute gucken böse. Ich frag mich, warum guckt ihr so böse, es ist ein ausgewiesener Fahrradwaggon, also bitte.

Dennoch lebend in Bonn angelangt, kommt aus der ersten Klasse ein mittelalter Herr und bewundert das Rad. „Tolles Ding was Sie da haben.“ Er fährt offensichtlich auch mit sowas rum, denn mit Kennerblick fragt er, wo denn der Akku sei. Ich zeige auf meinen Rücken. „Ist leichter so.“ Bevor ich aussteigen kann, muss ich mich an einem jungen Mann vorbei quetschen, der es nicht schafft, kurz aufzustehen, damit ich mit dem Rad besser raus komme. Dann kriegt er halt meinen 5 Kilo-Rucksack ins Gesicht. Auch gut.

Auf dem Bahnsteig warte ich an der Treppe, bis alle weg sind, damit ich das Rad in Ruhe hochwuchten und die Treppe runter tragen kann. Schon kommt ein weiterer Herr und will das Rad für mich tragen. Ich so: „Das ist aber sehr schwer.“ Der Mann verzieht keine Miene, als er das EISENFAHRRAD die Treppe runter trägt. Und guckt komisch, als ich es zum nächsten Gleis alleine wieder hoch trage. Hihi.

mein rad am rhein mit ohne elektro, Foto: S.Wünsch

Läuft auch ohne Antrieb…

Ok, es ist tragbar. Und es ist ohne Motor fahrbar. Sogar recht zügig. So fahre ich in der Morgensonne am Rhein entlang zu meinem Arbeitgeber.

Stolz schiebe ich es am Haupteingang durch die Vereinzelungsanlage. Und löse Alarm aus.

Ein wütender Pförtner fragt mich, was das soll. Ich: „Ich will es in mein Büro stellen.“ Es folgen Diskussionen über Hausordnung, Versicherung, und stereotype Äußerungen wie „Stellen Sie sich vor, das würden alle machen“, etc, während der Alarm an der Vereinzelungsanlage fröhlich weiter rumtrötet. Normalerweise stresst mich sowas enorm. Aber bitte, ich bin jetzt 50, was soll ich mich noch aufregen? Ich lasse den Mann weiter wichtig sein und trolle mich schließlich mit meinem teuren Rad. Draußen mache ich es zwischen den hundert anderen Fahrrädern an einem Ständer fest. Soweit ich das überblicken kann, ist kein weiteres E-Bike dabei.

Stunden später: Arbeitstag vorbei, jetzt endlich der erste richtige Ausritt mit dem neuen Hobel. Akku ist geladen, Wasser im Rucksack, iPod im Ohr, schönster Sommer und popelige 38 Kilometer, die ich gerne unter 2 Stunden schaffen möchte, dafür hab ich das Ding ja.

Kaum auf der Rheinpromenade Richtung Köln – nach Norden – stelle ich fest: Gegenwind. Als ich letztes Mal mit meinem normalen Rad gegen den Wind nach Hause gefahren bin, habe ich in Wesseling entnervt aufgegeben und bin in die Bahn gestiegen.

Mal sehen, wie es jetzt läuft. Zaghaft lege ich Stufe eins von vier ein, der Motor unterstützt ein bisschen, Menschen mit Hollandrädern überholen mich. Hoppla. Na denn: nächste Stufe. Schon besser. Jetzt überholen mich nur noch so Sportler. Na wartet. Stufe drei, bei gleichbleibender Tretkraft geht es auf die 25 km/h zu. Sollgeschwindigkeit. Mehr gibt das Ding auch nicht; wenn ich schneller fahren will, muss ich richtig arbeiten. Denke über die Möglichkeit des Frisierens nach. Ging bei meinem Mofa ja auch.

rad am rhein mit antrieb. Foto: S.Wünsch

…mit ist aber besser

Der Wind zerrt an allem was ich so fortbewegen möchte. Ich höre die Musik kaum, es bläst in die Ohren. Egal, es läuft. Die 28 Grad Außentemperatur stören bei dem Wind nicht. Als er besonders ekelig wird, sage ich mir: Leck mich am Arsch, Stufe vier. Und so rolle ich mit gut dosiertem Kraftaufwand am Rhein entlang nach Köln. Niemand überholt mich, ich tu es. Natürlich mit dem nötigen Respekt vor Kleinkindern und gemütlich dahin radelnden Rentnern.

Nach 1:50 komme ich an den Kölner Kranhäusern an. Geil. Ich mag diese Strecke, Ich mag mein Fahrrad. Das kann süchtig machen. Ich bin genau so platt, wie wenn ich mit meinem normalen Rad die Strecke mache. Aber ich bin schneller.

Ihr könnt die Nase rümpfen, Silke hat ein Ommafahrrad. Ich sage: Es ist purer Fun.

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