Warum die digitale Welt manchmal echt egal ist

In der letzten Woche habe ich gemerkt, dass sich Natur und Technik nur bedingt vertragen, wenn der Flötenfrosch auf Tour ist.

Sicherlich haben einige, die sich hier im Blog umgeschaut haben, entdeckt, dass ich eine gewisse Vorliebe für einen kleinen Landstrich im Süden Frankreichs hege und dort regelmäßig hinreise. Und dass ich dort eher in irgendwelchen Bächen herumspringe anstatt beim kühlen Pastis im Café zu sitzen und Buchstaben in Tastaturen zu hauen. Also rückständig sind die in der Provençe eigentlich nicht. Viele Cafés haben schon W-LAN, sogar for free. Die Vorstellung, den ganzen Tag dort zu sitzen in diesem wundervollen Licht (in der Provence scheint die Sonne irgendwie noch ein bisschen heller als bei uns, was auch einer Reihe von berühmten Malern nicht entgangen ist) – diese Vorstellung ist zwar angenehm. Ist aber nicht zu vergleichen mit der Vorstellung, an einem Ort wie diesem zu sein:

Photo by sistasly

Saint Maurin 11. Juni.  Photo by sistasly • Instagram

Hier oben herrscht Magie. Man hört den Wind durch die Bäume streichen. Ein Bach rauscht. Ein Bach? Ihr könnt euch das nicht vorstellen und Fotos können es kaum wieder geben, welche Schönheit hinter so einem Wort stecken kann. Man geht durch eine Hecke aus duftendem Ginster und Buchsbäumen. Dann steht man im Zauberwald. Kein Herr der Ringe, kein Alice im Wunderland kann das, was dieser Ort kann. Die beiden nächsten Fotos sind mit dem iPhone geknipst und nicht bearbeitet.


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Ravin du Saint Maurin – Photo by sistasly • Instagram

Glasklares Wasser. Natürlich ausgewaschene Becken in den Felsen. Die Natur hat Swimmingpools gebaut, alle miteinander sind durch kleine Wasserfälle verbunden. Es herrscht eine fast mystische Dämmerung hier, die Sonne wirft helle Flecken durch die Äste und Blätter.

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Ravin du Saint Maurin – Photo by sistasly • Instagram

Diese Schönheit ist nur von kurzer Dauer. Kommt man im Juli hier hoch, um dieses Naturschauspiel zu bewundern, muss man sich verwundert am Kopf kratzen. Das Wasser ist verschwunden. Die Becken sind leer. Trocken. Keine einzige Pfütze mehr. Die Quelle hat sich in ihr unterirdisches Quartier zurückgezogen – eine enge Höhle im Fels.

Fragil ist diese Schönheit auch. Deswegen ist den Franzosen sehr viel daran gelegen, diese Schätze zu erhalten. Seit 1997 zählt die Verdon-Region zu den Nationalparks in Frankreich, doch erst in den letzten Jahren scheint man es mit dem Naturschutz richtig ernst zu nehmen. So setzt man nun vermehrt auf die Ecogarde – das sind meist voll nette jüngere Menschen, die gucken, dass niemand seinen Müll liegenlässt oder geschützte Blumen pflückt. Oder im Wasserfall duscht. Oder ein Feuer macht.

Davon ist auch unser Treiben auf dem Plateau von Saint Maurin betroffen. Früher war dort auf dem Plateau ein kleines Wäldchen. Auf einer Lichtung haben wir ein Feuerchen gemacht, Gitarre gespielt, Stockbrote ins Feuer gehalten und natürlich auch fröhlich getrunken. Und dort übernachtet, unter freiem Himmel, mit Blick in die endlosen Sterne.

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Jetzt sind die Bäume alle weg – was natürlich den Vorteil hat, dass man freie Sicht auf die unfassbar majestätische Felswand hat, die bei Sonnenuntergang rot leuchtet. Feuer ist verboten, und schlafen darf man dort auch nicht mehr. 

Und irgendwie ist es auch kein geheimer Ort mehr. Wanderwege mit Erklärtafeln führen dorthin, teils sind Stege ins Gebüsch gelegt worden, damit man nichts kaputt trampelt. Und wenn man im Wasserfall duscht, kommt ein netter junger Mann und sagt freundlich DuDuDu. Es ist ja auch ok, wenn das jeder machen würde, wäre das Traumland schnell zerstört.

Nur ein einziges Geheimnis hat das Plateau noch. Aber niemand außer uns weiß, was es mit dem Steinhaufen auf sich hat, der immer wieder mit liebevoll zusammengesuchten Dingen geschmückt wird.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

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