Netzneutralität: Ein doofes Wort, aber ein gefühltes Grundrecht

Je mehr ich in diese Netzkultur eintauche und mich auch als Teil dessen empfinde, auch wenn ich völlig unberühmt bin, was mich nicht davon abhält, weiter zu schreiben und Kontakte zu knüpfen, zu sharen, zu kommentieren, je mehr also ich hier agiere und lese und lerne, umso absurder kommt mir das vor, was in der „Außenwelt“ passiert.

Ich möchte nicht falsch verstanden werden und in den Verdacht geraten, einer von diesen vermeintlichen Nerds zu sein, die ihre „virtuelle“ (gähn) Welt mit der realen verwechseln und nicht mehr wissen was echt und was nicht echt ist; das ist aber auch ein anderes Thema, über das ich mich ein anderes Mal aufregen werde.

Mit der „Außenwelt“ meine ich die, die nicht müde werden, dem immer weiter in der Mitte der nicht digitalen Gesellschaft ankommenden Netzvolk die Leitungen zu kappen. Klagen Einzelner werden beim Bundesgerichtshof verhandelt, die Ergebnisse sind mehr oder weniger „nutzerfreundlich“. Vorsicht mit dem Urheberrecht, kann ich da nur sagen, passt auf, was ihr wo postet, teilt und einbettet.

Warum die Rechtsverdreher das Urheberrecht nicht endlich mal so weit verdrehen, dass es in das digitale Zeitalter hineinpasst mit all seinen neuen und verwirrenden Möglichkeiten und auch Fallen, ist mir schleierhaft. Die sollen dran arbeiten, anstatt uns Regeln aufzupfropfen, die die Kreativität im Umgang mit diesem großen tollen Internet ersticken wollen.

Und dann ist da die Gema natürlich, ja, auch die macht fröhlich mit, aber alles doch nur im Namen der Künstler, auch hier wird nicht weiter nachgedacht sondern lediglich kassiert.

Und da ist ja ganz vorne mit dabei der große Kommunikationsplayer, hier in Deutschland mittlerweile gerne als #drosselkom bezeichnet. Das zarte Pflänzchen mit der sperrigen Bezeichnung „Netzneutralität“, das Marcus Beckedahl von der Digitalen Gesellschaft e.V. und viele andere in mühseliger Kleinarbeit in die Köpfe der Politiker eingepflanzt haben, dieser winzige Keim, der, realistisch betrachtet, hier in Deutschland aufgrund des Klimas länger brauchen wird als woanders um zu gedeihen, dieser kleine Sämling wird von der Telekom einfach mal zertreten. Uups.

Verschiedene Gründe, Verdachte, gibt es dafür. Zum Beispiel, dass man die fetten Datenverbindungen nur deswegen kappt, damit, und das ist seeehr vereinfacht ausgedrückt, damit sie ihre eigenen Inhalte besser verticken können. Nun, da die Telekom die ganzen Leitungen besitzt und sie an ihre Konkurrenz nur vermietet, kann sie auch den Konkurrenzunternehmen – äh – Vorschläge unterbreiten, die diese annehmen müssen, weil es sonst vielleicht schwieriger wird mit den Leitungen.

Also können auch Netcologne oder Unitymedia oder wie sie alle heißen, demnächst nicht mehr mit unbegrenztem Surfen mit bis zu 100 Mbit/sec werben (was sowieso.. also naja, ich hab das nicht, mein 3G ist schneller als mein WLAN  – und das mitten in Köln). Ich finde 100 Mbit müssen es auch nicht sein. 20 sind schon völlig ok und mit 10 bis 12 kann man auch Filme gucken.

Egal also bei welchem Anbieter ich bin, die Telekom hat vorgelegt und die anderen müssen nachlegen, das ist so und das wird unser Leben im Netz verändern. Weg mit dem Fortschritt, den wir in den letzten Jahren gefeiert haben! Und weg mit dem Versuch, die Netzneutrlität gesetzlich zu verankern.

Netzneutralität bedeutet in ganz einfachen Worten nichts weiter als: Alle sollen die gleiche Möglichkeit haben ins Internet zu kommen. Gleich schnelle Leitungen. Gleiche Kosten. Gleiche Datenmengen. Gleiche Qualität.

Wer’s genauer wissen will, kann das hier bei Wikipedia nachlesen. Es gibt auch haufenweise Blogs und Initiativen, die sich damit beschäftigen. Unter anderem netzpolitik.org, die Digitale Gesellschaft e.V, die netz4ktivisten, oder echtesnetz.de. Große Freude bereitet mir auf Twitter der Satire-Kanal der @drosselkom.

Und schließlich diese Initiative der Digitalen Gesellschaft und dem Verein D64 (Zentrum für digitalen Fotschritt), die ich hiermit gerne unterstütze.

Telekom_Kampagne_YouTube_final

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