Wir rauchen und tanzen in den Mai

Es ist ja aus mit dem Rauchen hier, das wissen wir alle und viele freuen sich auch, andere nicht, das ist eben so. Der Titel ist von einem Flugblatt an einer Kölner Raucherkneipe geklaut, danke, Wundertüte, es passt so schön.

Am Tag vor dem Armageddon saß das Frosch-Team ein letztes Mal im Rauch der verrauchtesten Jazzkneipe der Welt, trank Bier und rauchte Zigaretten, trank Scotch und rauchte Zigarillos. Lecker.

Und dann haben wir uns vorgestellt, was am 30. April um 23 Uhr 59 passiert.

Das ist kein normaler Abend. Es ist Tanz in den Mai. Walpurgisnacht. Party! Leute feiern fröhlich und haben auch schon ganz viel Maibock und ganz viel Maibowle getrunken. Herrliche Stimmung. Dortmund ist im Champions League-Finale und regnen tut es auch nicht. Obwohl…es ist kalt in dieser letzten Aprilnacht 2013. Als es auf Mitternacht zugeht, zünden sich noch ein paar mehr Leute als sonst eine Zigarette an. Ein bisschen wie eine Henkersmahlzeit. Denn es könnte die letzte sein. Die letzte in Freiheit.

Die letzten Kippen im Metronom

Die letzten Kippen im Metronom

Um 23:59 schlagen die Glocken zur Mitternacht. Hells Bells. Mit dem zwölften Glockenschlag verändert sich etwas. In den Gesichtern der Gäste steht Ratlosigkeit. Die Raucher: Kippen aus? Jetzt sofort? Und die anderen: Rauchverbot! Kippen aus! Jetzt! Sonst hole ich das Ordnungsamt!!!

Schon geschehen. Hunderte von Sonderschichten haben Polizei und Ordnungsämter in dieser Nacht in Nordrheinwestfalen eingerichtet um das rigorose Rauchverbot auch richtig rigoros umzusetzen. Die Ordnungsämter in Duisburg und Dortmund haben dabei auch auf 269 Einwanderer aus Bulgarien und Rumänien zurückgegriffen, die stehen ja sonst nur auf der Straße rum, hier können sie sich nützlich machen. Um sich den nötigen Respekt zu verschaffen, sind die Ordnungshüter bewaffnet. Mit Wasserpistolen.

Die Wummen im Anschlag, stürmen sie flutwellenartig in die Kneipen und schießen jede glimmende Kippe aus, die nicht rechtzeitig im Aschenbecher gelandet ist. Nachdem sich der Rauch verzogen hat, sind die Angreifer verschwunden. Das durchnässte Publikum schüttelt sich die Wassertropfen aus den Haaren, die Musik geht wieder an.

Nach einigen Minuten kommt Bewegung in den Laden. Menschen schieben sich durch die Massen, streben dem Ausgang zu. Draußen vor der Tür stehen Gäste und rauchen. Immer mehr kommen dazu. Drinnen schaut der DJ entsetzt auf die Tanzfläche, wo plötzlich ganz viel Platz ist. Langsam drängt sich die Erkenntnis auf, dass der Tanz in den Mai hier ganz schön aus dem Ruder läuft.

Man kann sich nun vorstellen, dass sich das Ganze vielleicht wieder eingroovt, und man weiß ja auch, dass sich alle daran gewöhnen werden, das sagen ja auch die Raucher. Aber eine Frage bleibt offen, die mir noch kein Kneipenwirt beantworten konnte:

WAS PASSIERT MIT DEN ASCHENBECHERN?

Nachtrag 1. Mai 2013:
Nachdem der Wirt seinen Gästen buchstäblich eigenhändig die Kippen aus dem Mund gezogen hat, was die Skurrilität dieser Situation in der über 40 Jahre alten Rauchjazzbar noch unterstrichen hat, und alle Aschenbecher verschwunden waren und auch der letzte Ungläubige kapiert hat, dass nun tatsächlich Schluss mit lustig ist, dauerte es nicht lange, bis die Sicht völlig klar war. Daraufhin Hat Mike das Metronom zum Luftkurort erklärt.

Advertisements

Ein Gedanke zu „Wir rauchen und tanzen in den Mai

  1. Bin mal gespannt wie lange es dauert bis das Gesetz wieder gekippt wird. Lange geht das nicht gut…die rauchenden Kunden bleiben aus, die kleinen Kneipen machen dicht…und der Staat hat ein tolles Gesetz verabschiedet.

    Somit Grüße aus Köln

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s