Dieses Lied gibt es nicht mehr

Die Gema will uns DJanes und DJs ans Portemonnaie. Auf eine Art und Weise, die uns alle mit so vielen Fragezeichen stehen lässt, dass wohl zunächst mal keiner irgendwas richtig machen wird.

Ich fang mal mit meinem Lieblingslink zum Thema an – hier wird nicht nur visualisiert, was wir in welchen Fällen beachten müssen, sondern hier wird auch eine Gema-Sprecherin über die neuen Regelungen befragt – sehet, leset, staunet – sie weiß offenbar selbst nicht immer so ganz genau, wovon sie spricht.

Wir haben ja jetzt alles darüber gelesen, haben jetzt auch verstanden, dass man zum Beispiel jede Kopie, die man von einem legal erworbenen Musiktitel macht, lizenzieren muss. Noch habe ich nicht so genau herausfinden können, wie das geht – muss ich also demächst meine Titel für den Club-Gebrauch einzeln auf einem Formular angeben? Also die, die ich vielleicht plane, möglicherweise gegebenenfalls zu spielen? Mit Titel, Komponist, Dauer, Datum des Erwerbs des Originals, Aufnahmedatum, Kopierdatum, voraussichtlichem Einsatz, Ort des voraussichtlichen Einsatzes, Uhrzeit?

Jaja, ich übertreibe mal wieder, aber dazu bin ich ja hier.

Die Info, dass DJs für eine Pauschale von 125 Euros für ihre vor dem 1. April 2013 erworbenen Titel erst mal raus sind, hilft mir nur bedingt weiter. Denn ich muss in Zukunft ja jeden neuen Song, den ich mir auf CD brenne, jede neue CD, die ich auf die Festplatte ziehe und eventuell auch auflegen werde, bei dem Verein anmelden.

Dass mir nur nicht der Rechner geklaut wird. Oder die Festplatte crasht. Dann kann ich den ganzen Zauber nämlich nochmal machen. Kriege ich dann eigentlich einen Zettel, sowas wie eine Quittung? Folgende 5000 Songs dürfen von diesem Ton/Datenträger aus gespielt werden….? Einige, aber längst nicht genügend Antworten gibts auf jeden Fall auf dem TecBlog Golem.de.

Praxistest

So, weiter geht’s. Folgende Szenarien sind möglich: Ich fahre weiterhin von CDs, darf aber gemafrei nur meine Originale nutzen. Gut, dann brauche ich ein Lastenunternehmen, weil ich dann mit gut zehn Koffern unterwegs sein werde. Weil man ja nie weiß, was sich die Leute so wünschen. Ich arbeite nun aber in einem Laden, der publikumsmäßig nie vorhersehbar ist. Die wünschen sich alles von feinstem Minimal bis zum blödsten Charts-Klopper.

abs

Bei der Arbeit

Oder: Ich bestimme, welche Lieder aus dem 125-Euro-Repertoire ich von nun an spielen werde, und fahre von meinem Laptop. Dann darf aber keiner kommen und sich was wünschen. Da bekommt die Aussage „Das hab ich nicht dabei“ eine ganz neue Dimension. Da wird das nix mehr mit irgendeinem exotischen Song, den sich einer wünscht, den ich schon ganz vergessen habe, der absolut geil ist und sowohl Gästen als auch dem DJ große Freude bereitet. Sorry, das habe ich vergessen bei der Gema zu lizenzieren, deswegen darf ich es nicht spielen, tut mir leid, du.

Dann kann ich eigentlich auch direkt eine Playlist aus lizenzierten Titeln zusammenschrauben. Ich werfe das Ding an und kann dann, unbehelligt von den Musikwünschen der Gäste, auf meiner eigenen Party feiern und immer, wenn ich will, zum Rauchen raus laufen. Wow, das habe ich mir schon immer gewünscht.

Vorstellbar ist aber auch eine Vorabbestell-Liste. Im Internet können die Gäste sich anmelden und einen Musikwunsch äußern. Das kostet ihn allerdings 13 Cent pro Titel. Sobald das Geld dann auf meinem Konto eingegangen ist, lizenziere ich den Song bei der Gema (vorausgesetzt ich erfahre wie das geht) und dann werde ich ihn auch spielen. Ich lasse eine App dafür programmieren.

Und die Gäste schließlich? Die packen sich doch an den Kopf. Hang the DJ.

Control

Gut, die Party läuft also, alles am tanzen, ich auch, bis mich jemand zum DJ-Pult ruft. Da ist jemand von der Gema und will prüfen, ob deine Titel lizenziert sind. Uups. Da ist aber jetzt nur mein Rechner. Den kann ich ja nun jetzt nicht ausmachen. In der Ecke fliegt noch irgendwo eine Salsa-CD rum. Leider selbstgebrannt und aller Wahrscheinlichkeit nach nicht lizenziert. Was machen wir nun? Musick aus, Leute raus, sorry, kommt nächste Woche wieder?

Wie machen die das jetzt bei Sven Väth oder Paul van Dyke, wenn 20 000 Leute die Halle rocken?

Absurd ist das. So, Gema, ihr habt meinen Namen, meine Adresse, nu kommt, guckt, prüft, versaut mir die Laune. Das Rauchverbot hält mich nicht vom Auflegen ab. Aber eure wirre Neuregelung hätte da durchaus Chancen.

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