Wenn Schnee einen bekloppt macht

Dass wir heute an diesem 12. März, zwei Wochen nach dem meteorologischen Frühlingsanfang, ein Schneechaos im Flachland erleben, das kann nur einen Grund haben: Ich denke, dass sich die Erdachse verschoben hat.

Wie sonst kann das jetzt sein was hier gerade passiert? Was mich auch voll irritiert ist diese Tatsache: Es ist gleich 18h und es ist immer noch taghell. Ich war noch nie um 18h im Schnee, während es draußen noch knallhell ist. Wenn sonst hier Schnee liegt, dann ist es um 16:30 dunkel. Spätestens! Das ist die Erdachse. Wenn wir heute doch nochmal Nacht kriegen, gucke ich mal, ob man am Horizont das Kreuz des Südens sehen kann.

Jaja, klingt sicher bekloppt aber irgendwie beruhigt mich diese Erklärung für das weiße Zeug da draußen. Vielleicht habt ihr eine andere Erklärung.

Die wahren Bekloppten

OK, jetzt liege ich mit meinem Daunenschlafsack aufm Sofa und gucke mir Schnee im Fernsehen an. Schnee auf Bergen, genauer gesagt, Schnee auf sehr HOHEN Bergen. Ich habe am Sonntag einen wunderbaren Vortrag des Bergsteiger-Pärchens Gerlinde Kaltenbrunner und Ralf Dujmovits gesehen, in dem die beiden von ihren Besteigungen der 8000er Gipfel erzählt haben. Jetzt zieh ich mir die ganze Zeit Everest-Filme rein. Dokus, in denen sich ein paar, nee, leider viel zu viele Bekloppte gegen 40.000 Euros da hoch schieben lassen, sogar ein Beinamputierter war dabei, der hat tapfer den Gipfel geschafft, musste aber dann runter getragen werden, weil er sich mit den Pistorius-Beinprothesen die Stümpfe aufgescheuert hat, ja geht’s noch, bitte schön?

Mt. Everest Basislager, vom Khumbu-Eisbruch aus gesehen. Foto: Uwe Gille, Quelle: Wikipedia

Gemütlich.

500 Zelte im Basislager! Die machen einen Megadreck da, kacken überall hin, ich will nicht wissen, wie es da riecht. Die hängen ja auch wochenlang da rum, weil sie sich akklimatisieren müssen. Rauf, runter, rauf, runter. Diese Wahnsinnigen bilden beim Aufstieg hunderte Meter lange Schlangen. Jetzt stell ich mir gerade vor, dass ich einem der Veranstalter dort 40.000 Euros hingeblättert habe, brav da raufmarschiere, schließlich fast beim Gipfel bin, noch Kondition habe und auch klettern kann. Jetzt will ich da hoch und eine Truppe von wahrnehmungsresistenten Vollpfosten blockiert den Aufstieg, ich hab keine Chance, da vorbei zu kommen und muss absteigen.

Ich will mir das nicht vorstellen. Gerlinde Kaltenbrunner war mit ihrem Partner am Nachbarberg Nuptse unterwegs. Die waren ganz alleine da oben und guckten grinsend auf den Zinnober am Everest.

Ich kann nicht bergsteigen, hatte mich fast mal bei einem Eiskletterkurs angemeldet. Immerhin kann ich Felsklettern. Am Everest ist den Leuten das egal, ob sie klettern können oder irgendwie schonmal in der Nähe eines Berges waren. Da gehen Asthmatiker hoch, Leute mit zusammengeschraubtem Rückgrat, Halbblinde, Greise… naja viele schaffen es ja auch nicht, die kommen um und bleiben da liegen. Neben der Tour. Da wo die Leute rauf und runtergehen, da liegen die Leichen rum.

Um keinen Preis der Welt würde ich mir das alles reinziehen, nur um einmal auf dem höchsten Gipfel der Welt zu stehen.

Aber eine Trekking Tour da oben mit diesen Wahnsinnsblicken, da hab ich schon Bock drauf, die Berge sehen doch von unten noch viel geiler aus. Das klingt doch schon gar nicht mehr so bekloppt. Vielleicht klappt es ja tatsächlich mal.

Nuptse, Mount Everest und Lhotse am frühen Morgen. Im Vordergrund Thamserku (links) und Kangtega (rechts der Mitte) sowie der Gipfel der Ama Dablam rechts hinter dem Kangtega. Foto Ralf Kayser, Quelle: flickr/wikipedia

Nuptse, Mount Everest und Lhotse am frühen Morgen. Im Vordergrund Thamserku (links) und Kangtega (rechts der Mitte) sowie der Gipfel der Ama Dablam rechts hinter dem Kangtega.

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