Die Flötenfröschin feiert den 8. März

Da isser wieder, der internationale Frauentag, deswegen unterzieht sich der Flötenfosch heute einer temporären Geschlechtsumwandlung. +++

Kaum mache ich mein Facebook auf, rieselt es schon Glückwünsche zum heutigen Frauentag. Auch auf meinem Mobiltelefon kommt per WhatsApp ein freundlicher Gruß an, wie schön, es sind nämlich nur die Männer, die mir/uns Frauen heute gratulieren, und da tut sich doch schnell die Frage auf: Warum tut ihr das WIRKLICH?

Ihr, die ihr uns heute beglückwünscht, seid doch persé freundliche Menschen! Auf jeden Fall sag ich jetzt schonmal stellvertretend für alle Damen: Danke für die Blumen.

Wo bitte spielt die Musik?

Aber so leicht kommt ihr nicht davon. Was macht man als Frau an einem Frauentag? Sich noch mehr emanzipieren als ohnehin schon? Ich muss hier nicht aufzählen, in welche ursrpünglich rein männliche Betätigungsfelder wir uns mit Erfolg schon reingezwängt haben. Was können wir denn noch tun, außer die einzige männliche Domäne zu knacken, die es noch gibt: Im Stehen pinkeln.

Ein alter Hut, werdet ihr sagen, und es funktioniert einfach nicht, offenbar üben das trotzdem sehr viele Damen in den Kneipenklos, denn die sehen einfach auch oft so aus. Meine Erkenntnis daraus ist: Wir werden es nie lernen, Männer, das habt ihr weiterhin für euch.

Nun hörte ich auf meinem vielzitierten Lieblingssender WDR5 heute, dass es doch tatsächlich einen weiteren Lebensbereich gibt, in dem Frauen nichts zu suchen haben. Es ist ein Bereich, in dem es um Macht geht, um bedingungslose Unterwerfung. Da gibt es nur einen Einzigen, der was zu sagen hat. Einen Einzigen, dem sich alle unterordnen. Es ist der Dirigent. Ja, richtig, der, der vor dem Orchster steht und den Takt angibt. Der, der mit wallender Mähne wild gestikulierend eine Hundertschaft an Instrumentalisten dazu bringt, ein Musikstück vorzuspielen. Nun stellt euch doch mal ne Frau an dem Platz vor! Geht gar nicht!

Nadia Boulanger, Porträt. Author =Agence Meurisse |Date =1910 |Permission =PD: "domaine public" |other_versi..., Quelle: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Nadia_Boulanger_1910.jpg

Nadia Boulanger

Geht wohl. Eine gewisse Nadia Boulanger hat in den 30ern das Boston Symphony Orchestra dirigiert. Das ist jetzt nicht gerade ein Dorforchester aus der Uckermark. Die Lady hatte es drauf, einen Riesenhaufen Musiker zu kontrollieren. Ok, sie war auch ein Brecher, das muss man schon sagen, und sie hatte Ahnung von Musik.

Auch heute haben Frauen Ahnung von Musik. Frauen belegen das Fach „Dirigieren“, lernen Komposition und Arrangement, lassen sich zur Musikalischen Leiterin ausbilden. An den Unis werden sie doch tatsächlich immer noch komisch angeguckt. Aber warum eigentlich soll eine Frau nicht in der Lage sein, ein großes Orchester zu leiten? Wir haben schon Managerinnen, Vorstandschefinnen, die ihren Aktionären die Hölle heiß machen können. Unsere Redaktion besteht fast nur aus Frauen, geleitet von einer Frau, die von einer Frau geleitet wird, deren Chefin eine Frau ist! Der WDR hat die erste Intendantin der ARD hervorgebracht, die dann auch noch Rundfunkratsvoritzende war, als einzige Frau unter all den grauen Herren mit Schlips. Wir haben sogar eine Bundeskanzlerin!

Es gibt einen Lichtblick aus dem Norden. Karen Kamensek ist Generalmusikdirektorin an der Staatsoper Hannover. Und macht sich gut in ihrem Job. Und hat eine Erklärung für die Unterrepräsentanz von Frauen in den musikalischen Führungsriegen: „Viele Frauen wollen sich das nicht antun“, sagte sie dem Spiegel.

Na, wenn das so ist.

Ich will übrigens auch nicht Chefin werden, das ist mir viel zu anstrengend. Mir gefällt das schon, wenn die Leute im Club auf meine Musik tanzen. Wenn ich da stehe und Rage läuft und ich immer noch die Leute dazu bewegen kann, hochzuspringen, Fuck you I won’t do what you tell me!

Unbedingt aber will ich weiter dies tun: Bier trinken, dreckige Witze machen, laut aufstoßen, schnelle Autos geil finden, Fußballdiskussionen führen, Ballerspiele spielen, gruseligsten Metal hören und auch schonmal ne Zigarre anzünden.

Ich schätze, ich bin schon ganz gut emanzipiert. Aber Blumen zum Frauentag sind auch schön 🙂

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