Sauerstoffschock: Der Frühling ist da.

Es ist ja nun wirklich echt jetzt langsam mal gut mit dem grau-feuchten Ungemach, das uns seit Monaten nicht aus dem Winterschlaf erwachen ließ, Schluss ist damit, die Sonne scheint und alles rennt raus.

Ich auch. Und wenn, dann auch richtig. Entweder sind wir hier outdoor oder nicht. Sofort beschlossen, die Bonn-Köln-Strecke mit dem Rad zu machen, knapp 40 km, am Rhein entlang. Ja, gut, ich musste das Rad irgendwie nach Bonn bringen, hatte aber mal wieder einen ÖPN-GAU, wie immer, wenn ich EINMAL Bahn fahre. Menschen schmeißen sich offenbar gerne vor Züge, wenn das Wetter schön wird, und dann geht im Bahnverkehr ja nix mehr. Klammer zu, ich kam nach einer Odyssee – mit nicht ausgesprochenen Morddrohungen im Nacken (merke: zu Stoßzeiten kein Fahrrad mitnehmen in der Bahn, auch nicht im eigens dafür vorgesehenen Bereich) – in Bonn aus der Bahn, fuhr am Rhein entlang durch die Sonne zum Job, machte ihn und schmiss mich nachmittags frohen Mutes auf den Sattel.

Der Tag wurde schön.

Zur Rechten der Rhein im schönsten blassblau. Links Häuser, Wiesen, Frühling. Menschen liegen auf Mauern, sitzen auf Bänken, strecken ihr Gesicht in die Sonne. Hunde spielen, dick eingepackte Kleinkinder wuseln auf Spielplätzen durcheinander. Auf dem Rhein fahren träge ein paar Schiffe, die meisten sind flussabwärts unterwegs. Ich bin schneller.

Im Ohr die Playlist, die ich „Schön zum Fahren“ getauft habe. Incubus, die Jahrhundert-Alben Make Yourself und Morning View, die Foo Fighters, In your Honor, CD2, dieses geile Akustic-Zeugs.

fu***ng awesome!! foto: silkes iPhone

fu***ng awesome!!

Unten am Rhein haben welche einen Grill angemacht. Ein Jäger grüßt mich freundlich. Überhaupt sind alle unheimlich freundlich an diesem schönen Nachmittag. Man hat das Gefühl, als saugten die Menschen diesen sonnigen Tag auf, wie einer, der halbverdurstet aus der Wüste kommt. Die wirken alle ziemlich glücklich und wahrscheinlich sehe ich auch ziemlich komisch aus mit meinem Dauergrinsen.

In Wesseling muss ich die Rheinpromenade verlassen. Ab hier ist bis Godorf das Rheinufer mit Chemieanlagen verseucht, die muss man umfahren, was sicherlich nicht verkehrt ist. Das dauert nur ein paar Minuten. Schön ist anders, mitten durch die Kühltürme, Rohrleitungen, Riesentanks von Evonik und Degussa und Shell, hässliche Industrie halt.

Ein Radfahrer überholt mich beim Hochfahren auf eine Brücke. So ein älterer Herr mit einem Opafahrrad. Ich wunder mich über sein Tempo. Bis ich den dicken Packen auf seinem Gepäckträger entdecke. Ach so, ein Elektro-Bike. Pfusch! Das ist ja so wie mit Sauerstoffflasche auf den Everest!

Ach, ich will mal nicht so sein, schließlich macht er keinen Dreck und trampelt trotzdem ordentlich. Ich bin viel zu gut gelaunt um neidisch zu werden. Die Luft am Fluss ist so frisch, dass noch nicht mal der muffige Rheingeruch durchschlägt.

Nach guten zweieinhalb Stunden bin ich unter den Kölner Kranhäusern angekommen. Kaputt, verschwitzt mit kalten Füßen. Treffen mit dem anderen Teammitglied. In der Filmdose zwei Weizen, draußen, klar. Zu Hause eine heiße Dusche. Sofa – und im ZDF läuft tatsächlich eine Doku über Fitness.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s