Wenn Jazz sich in Rauch auflöst und kleine Kinder Würfel werfen

Noch zwei Monate. Dann ist es vorbei. Nie wieder rauchen. In der Kneipe. Auch nicht in der, die nur noch durch eine dicke Schicht Nikotin an den Wänden zusammengehalten wird. In meiner Lieblingskneipe.

Das ist wahrscheinlich die verrauchteste Kneipe von ganz Köln. Eine der ältesten auch. Das glaubt man gerne, wenn man sich das Interieur anguckt. Seit mehr als 40 Jahren gibt es den Laden. Es läuft Jazzmusik dort, von alten, knusprigen Vinylplatten. Noch ältere Platten hängen an den vergilbten Wänden. Die waren vielleicht mal weiß, die Wände, jetzt sind sie braun. Wenn man eins der vielen Musiker-Bilder und Konzert-Poster zur Seite schiebt, taucht dahinter ein helles Rechteck auf.

Am Wochenende brummt der Laden ganz besonders. In der Ecke vorne wird Kniffel gespielt, Leute unterhalten sich fröhlich, Aschenbecher quellen über, John Coltrane, Oscar Petersen und Miles Davis jazzen um die Wette, junge Menschen mit Nerdbrillen quatschen mit alten schnauzbärtigen Männern, vor dem Damenklo warten Frauen, der Brezelmann klingelt sich durch das Gedränge.

Man muss schon etwas mit den Armen wedeln, wenn man von draußen reinkommt. Denn es qualmt gehörig in dem Schuppen. Man braucht eine gewisse Zeit um sich zu akklimatisieren. Wenn wir aber später unseren Scotch trinken, dann gibt’s auch kaum was Feineres als dem Laden noch mehr Qualm zuzuführen. Denn eine schöne Vanilla oder Moods – das muss schon sein mit einem guten Scotch.

Da muss man die Polizei rufen

Kürzlich hat uns unser Freund aus Berlin besucht. Er hat seinen Sohn mitgebracht, ein einjähriges zuckersüßes Baby. Zu seinen Kölner Zeiten hatte unser Freund lange im Jazzladen gekellnert; er kennt alle Stammgäste und natürlich auch den Wirt. Wir dachten, komm, gehen wir mal kurz dort vorbei, so kurz nach 8 wird es noch nicht so verraucht sein, dann können wir auf ein Bierchen kurz rein mit dem Kleinen.

Wir betraten den Laden. Unser Freund schob den Kinderwagen vor sich her. Es saßen an die zehn Leute dort. Es qualmte. Unser Freund begrüßte einen alten Bekannten, der sagte, na, habt ihr euer Bier im Kinderwagen hier reingeschmuggelt? Nö, das ist mein Sohn, war die Antwort, stolz hob unser Freund seinen Sonnenschein aus dem Wagen. Der lächelte die Kneipe an.

Die Gespräche erstarben, mit einem scharfen Kratzen rutschte die Nadel von der Platte.

Stille.

Zwei Damen kamen herein. Sie schauten irritiert in die Runde, erblickten das Baby. Anzeigen sollte man die, also so etwas, ein Baby hier reinschleppen. Entrüstetes Flüstern. Ich meinte fröhlich, ich habe es auch überlebt, dass mein Opa mich voll gequalmt hat im Auto bei geschlossenen Fenstern. Das fanden die nicht lustig.

Ich dann auch nicht mehr. Das wunderte mich ein wenig; ich verstand aber dann auch schnell, warum das so ist. Man ist heute sowas von sensibilisiert, dass man völlig ausblendet, WIE normal solche Zustände früher waren.

Eine Geschichte, die verdrängt wird

Da wurden Millionen, was sage ich, Milliarden Kinder von Opas, Papas und auch Omis und Mamis und Tanten im Auto, bei Kaffee und Kuchen, beim Abendessen, ja und auch im Kinderzimmer vollgequalmt. Mein Opa rauchte Ernte 23 und blies Ringe in die Luft, was ich super fand. Er nahm mich auch schonmal mit zum Frühschoppen. Die haben da Zigarren geraucht. Was ich nicht so super fand. Ich habe als Kind auch schonmal ins Auto gekotzt, weil ich keine Luft bekommen habe.

Sogar bei Mondbasis Alpha 1 haben die Typen geraucht, IN DER RAUMSTATION auf dem Mond, wo es doch eher schwierig ist mit der frischen Luft.

Aber, nun, ich habe es überlebt. Ich habe die Zeit, in der alle überall, sogar auf dem Mond, rauchen durften, überlebt. Und, wenn ich mich so umschaue, bin ich nicht die einzige Überlebende.

Und doch hat unser Freund an jenem Abend sein Bier nicht ausgetrunken. Er ist gegangen, sicher nicht wegen der dämlichen Frauen mit ihrem dämlichen Spruch. Nein, weil auch er das Gefühl hatte – bei aller Liebe zu dem Laden und zu den alten Freundschaften hier: Ich kann meinen Kleinen hier nicht atmen lassen.

Pandemonium

Da habe ich gemerkt: Sie haben es schon weit gebracht, die Rauchfeinde. Sie sind einen großen Schritt weiter gekommen zu ihrer rauchfreien Gesellschaft. Wenn wir glauben, dass wir ein Baby vergiften, wenn es zehn Minuten in einer Kneipe ist, wo Leute rauchen, während andere Mamis in Scharen ihre Kleinkinder durch den Kölner Feierabendverkehr schieben können, ohne dass einer entrüstet hüstelt – ja dann ist es auch nicht mehr weit, bis ich auf meinem Balkon auch nicht mehr rauchen darf.

Dann werden Frauen wie diese da oben in unsere Lieblingsjazzkneipe, die dann nur noch nach altem Teer stinkt, kommen. Sie setzen sich an den Tresen, kleben den ganzen Abend lang an einem Glas Rotwein und sind entzückt darüber, dass hier endlich nicht mehr geraucht werden darf. Sie wissen noch nicht, dass sie in zwei Stunden alleine hier sitzen und sich fragen werden, wo die ganzen Gäste geblieben sind.

Der Wirt indes weiß es, kocht sich einen Tee und legt eine alte Dschungelbuch-Platte auf. In der Ecke, wo einst der Schach-Tisch stand, krabbeln Kinder herum und bewerfen sich mit eben jenen Figuren aus dem Schachpiel. Hinten am Tisch sitzt eine Gruppe von vier Leuten. Auf dem Tisch ein Kölsch, ein Wasser und zwei Bionaden. In der Kniffelecke sitzt unser Freund am Tresen und hebt geduldig die Würfel auf, die sein Sohn mit wachsender Begeisterung auf den Boden wirft.

Entnervt ext er schließlich sein Guinness, packt den Kleinen in den Buggy und geht vor die Tür. Dort stehen wir rauchend mit 50 anderen Gästen, trinken unseren Scotch und unterhalten uns fröhlich mit einem alten Musiker. Manche sitzen auf mitgebrachten Campingstühlen. Irgendeiner hat einen tragbaren Plattenspieler mitgebracht, Herbie Hancock mit Milt Jackson.

Es ist Samstag der 4. Mai 2013.

Die rauchfreie Zukunft hat begonnen.

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19 Gedanken zu „Wenn Jazz sich in Rauch auflöst und kleine Kinder Würfel werfen

  1. Ich find die rauchfreie Zukunft gut. Obwohl ich früher auch geraucht habe und weiß daß es Partys sprengt,wenn die Raucher vor die Tür gehen. Heute weiß man, daß Rauch extrem schädlich ist und ich halte es auch für Körperverletzung, wenn man ein Baby 10 min- oder auch nur eine- in so einen Raum bringt. Soll jeder machen was er will, wenn er denn alt genug ist, um das selbst zu entscheiden.

    • dann sollten wir endlich mal beginnen die Mütter anzuprangern, die sich mit Kinderwagen ausgerechnet in die Raucherbereiche setzen, wenn daneben auch ein Nichtracherbereich ist.
      als in Zügen noch geraucht werden durfte, habe ich mir einmal extra einen Platz im Raucherabteil reserviert. Und wer steigt zu? Eine Mutter mit 4 Kindern! Toll! Da habe ich dann allerdings auch nicht aufgehört zu rauchen, weil ich schließlich für dieses Komfort auf meiner 8h fahrt bezahlt habe. SIe hat das Abteil trotzdem nicht verlassen. war auber wenigstens auch nicht so dreißt etwas zu sagen.

      ich bin dafür das es eigene raucherlokale gibt. Nichtraucher müssen ja nicht rein gehen.

      • Ich finde auch, daß es Raucher-und Nichtraucherlokale geben sollte. Jedem Tierchen sein Plaisierchen( aber das arme Personal? ). Der Mutter in der Raucherzone hätte ich den Hals umgedreht, obwohl ich die rauchende Schwangere neulich auch habe leben lassen.

      • naja, es hat sich dabei um eine türkische Familie gehandelt und wolte nicht als Rassist dasthen. Diese Karte wird ja nur allzugerne gezogen. Vielleicht hätte sie dann auch gedacht ich pflaume sie wegen ihrer Herkunft an.
        ja schwangere Raucherinnen werden nicht gerne gesehen. Habe aber mittlerweile gehört, das die Entzugserscheinungen für das Ungeborene viel schlimmer sein können als ab und zu eine Zigarette. In wie weit das stimmt, sei dahingestellt. Ich bin Raucherin, aber nicht Mutter.

    • Mein Onkel ebenfalls – lebeslanger Nichtraucher, immer in einem Nichtraucherhaushalt gelebt, Marathonläufer noch mit 74. Sein Lungenkrebs wurde viel zu spät erkannt, weil der ja (achtung, Ironie) nur Raucher betrifft.

  2. Yap, das ist ein Thema, über das man ewig streiten wird, solange es rauchende und nichtrauchende Menschen gibt. Und das Traurige daran ist: Beiden Seiten gehen die Argumente aus. Es wiederholt sich.
    Übrigens wollte ich keine dieser ewig gleichen Nikotindiskussionen führen. Mit tut es in dem Text um den beschriebenen Laden leid, wo das Rauchen zur Kultur gehört.

    @Jule: Ich bleib dabei. Mal kurz mit dem Kind den Kopf reinhalten zum Guten Tag sagen muss doch möglich sein, ohne dass gleich eine Hexenverbrennung stattfindet. Du hast Recht, es sollte jedem selbst überlassen werden, ob er sowas einem Kind zumutet oder nicht. Tatsächlich würde ich es auch nicht tun, krass.

    @Sarah: D’accord. Geht nur leider nicht mehr hier. Man hat uns hier in NRW, genau so wie in Bayern, komplett entmüdigt, was die Auswahl der Kneipe betrifft. Mich stört es gewaltig, wenn ich meiner Entscheidungsfreiheit beraubt werde. Bald gibt es auch keine Raucherbereiche mehr in Kneipen. Ab 1. Mai ist NRWs Gastro rauchfrei.

    @Christina: Das ist hart. Dazu kann man auch fast nix mehr sagen. Nur, so traurig das auch ist: Diese Argumente führen in der Diskussion zu nichts, nur dazu, dass „wir Raucher“ betroffen den Mund halten. Ich denke, dass es einen Kompromiss geben sollte, mit dem alle leben können. Die Debatte ist allerdings zu emotional, um zu vernünftigen Vorschlägen zu führen. Vielleicht kuschen die Politiker deswegen und verordnen lieber ein generelles Verbot, dann meckern nur die Raucher, das ist offenbar leichter auszuhalten.

    Übrigens soll es im Landtagsgebäude der NRW-Regierung Raucherräume geben, ich erwähnte es bereits. Ist doch schön, dass wenigstens die Politiker, die uns eine Entscheidungsmöglichkeit komplett verweigern, selber frei entscheiden können, ob sie sich in ihrer Pause die Lunge verpesten oder frische Luft schnappen.

    • Silke, nix für ungut, aber ich dachte ich werde jetzt auch mal ein bisschen plakativer, wenn Du mit dem „Nichraucher sind Nazis“-Argument kommst. So kann Dein Text nämlich bei Nichtrauchern ankommen. Denn genau, die Argumente wiederholen sich und ich hatte keine Lust, zu der üblichen Replik, andere sind da geduldiger 🙂 Zwei Bemerkungen: Ich weiß, dass ich in Deutschland bin, wenn es nach Rauch stinkt. Und: hier in den USA war das Geschrei auch groß vor dem entsprechenden Rauchverbot – und passiert ist: Nix. Die Kneipen brummen, ich hab noch von keiner gehört, die deswegen Pleite gemacht hat. Und ich habe jetzt auch wieder Spaß in Kneipen zu gehen, und keine Kopfschmerzen am nächsten Tag (von Rauch, nicht vom Alkhohol 🙂 Fazit: The times they are a’changing. Get over it The world doesn’t end. 😉 herzliche Grüße aus Übersee!

      • Ich weiß, wir schaffen das. Ich hoffe, dass das Metronom das auch schafft. Fakt ist aber: Die Atmosphäre dort wird sich erheblich ändern. Die einen wird es freuen, die anderen werden nicht mehr hingehen, weil ihnen die vernebelte Atmosphäre fehlen wird. Ich sehe es übrigens auch nur dort so extrem schwarz, eben weil ich mir einen uralten vergilbten Jazzladen ohne Rauch nicht vorstellen kann.

      • Naja, Amerika hat auch während der Prohibition weitergefeiert … was muss das muss, aber toll fanden das auch nur die Nichttrinker …
        Um beim Beispiel Amerika zu bleiben: Wyoming (hat noch keine Rauchergesetze), Samstagabend in der Ponderosa, einziger rauchfreier Abend der Woche. GÄÄÄÄHNENDE Leere. Freitagabends ist dort (considering dass es sich um ein 400-Seelen-Dorf handelt) die Hölle los. Go figure …
        Heike, USA, verschämter Draussen-Raucher 😉

    • @floetenfrosch: Der Kompromiss ist recht einfach: Es darf weiter geraucht werden, nur nicht mehr in öffentlich zugänglichen Gastro-Bereichen. Damit kann jeder leben. Der der rauchen möchte, geht auf eine Zigarettenlänge ins Freie und kehrt anschließend wieder zurück.
      Das bedeutet zwar eine Abkehr lieb gewonnener Traditionen. Doch der fortschreitende Erkenntnisgewinn in Punkto „Gesundheitsrisiken“ des Nikotinkonsums (aktiv/passiv) lässt auch einstige Betonköpfe umdenken. Aller Anfang ist schwer, aber – das beweisen Beispiele anderer Länder – es geht!

  3. Ja, ein vieldiskutiertes Thema…
    Wie in anderen Regionen, wo es inzwischen rigorose Rauchbeschränkungen gibt, geht der Protest deutlich zurück.
    Auch in NRW wird sich der Ärger insgesamt wieder legen.
    Natürlich versteht man selbst als Nichtraucher, dass die Aufgabe liebgewonnener Gewohnheiten, wenn man eine Sucht überhaupt so bezeichnen darf, und das auch noch per Gesetz alles andere als erfreulich ist.
    Aber übertreiben einige Befürworter des Status Quo nicht erheblich, wenn sie den Untergang des Abendlandes orakeln und eigentümliche Vergleiche zur Untermauerung des ‚Weiter so‘ bemühen, zumal sie bald lediglich kurz für eine Zigarettenlänge vor die Tür des Lokals treten müssen?
    „Verbotsstaat“, „Gängelung“, „Volkserziehung“ – reichlich komische Vokabeln in diesem Kontext!
    Ja, natürlich, früher war alles anders, daher aber doch nicht besser?!!
    Anders war besonders das fehlende Umwelt- und Gesundheitsbewusstsein, im Übrigen mangelndes Wissen und gesamtgesellschaftlich betrachtet geringere Bildung.
    Die Argumentation, was uns früher nichts ausgemacht hat, denn wir leben noch, kann heute kaum anders sein, halte ich für eine ziemlich fatalistische Betrachtungsweise der Dinge.
    Es gibt auch eine valide Zahl von Überlebenden der Tschernobyl-Katastrophe.
    Soll daher der Atomstromgewinnung mit all den Risiken wieder mehr Priorität eingeräumt werden?
    Ich gehe davon aus, dass ein so cooler Laden wie das Metronom das generelle Rauchverbot in Kneipen überstehen wird.
    Fand den immer toll, das aber eben wegen seiner großartigen Musik, den entspannten Menschen und dem netten Barbetreiber.
    Kopf hoch, Rauchfreunde, das wird schon!
    Mal nicht auf irrationalen, verschwörungstheoretischen Pessimismus machen!
    Der teure Linn-Plattenspieler und die raren Vinyls werden es zusätzlich danken, wenn die Luft ab Mai wieder besser wird.

    • Fatalismus ist mein zweiter Vorname, Pat 🙂
      Ich finde übrigens immer mehr Gefallen am Demonstrationscharakter mitgebrachter Campingstühle. Mit Glasfach in der Armlehne. …
      Wir sind uns hoffentlich darüber im Klaren, dass es sich bei einigen meiner Äußerungen um Satire handelt und dass ich weder die Opfer von Tschernobyl, Seveso oder anderen Giftkatastrophen noch an Rauchfolgen gestorbene Familienmitglieder verunglimpfen möchte.

  4. Ich bezweifle, dass am 1.Mai direkt alle Kneipen in NRW rauchfrei sein werden. Selbst in Belgien, wo es seit Mitte 2011 ein totales Rauchverbot gibt, wird noch in rund 40% der kleinen Kneipen trotzdem weiter geraucht. In Bayern gehen zu später Stunde die Rolläden herunter und dann Feuer frei, immer natürlich mit der Angst der Betreiber erwischt zu werden und zahlen zu müssen, das ist unschön. Selbst in New York beispielsweise gibt es wenige Bars, die mittlerweile eine Ausnahmegenehmigung vom „Smoking Ban“ erhalten haben, sogenannte Cigar-Lounges. Die Ordnungsbehörden gehen mit den Rauchverbotsgesetzen mal mehr, mal weniger streng um. Manche machen eigenständige Razzien, andere reagieren nur auf Beschwerden. Und bei letzterem Punkt kommt der „Denunziant“ in Spiel. Nun kann man sich mal überlegen was man schlimmer findet, ein paar Leute die illegal in einer Kneipe weiterrauchen, gemeinschaftlich damit einverstanden sind und sich dabei wohlfühlen, oder den rauchhassenden Denunzianten, der verdeckt rumläuft und Kneipen anschwärzt, obwohl er selbst davon noch nicht einmal einen Vorteil hat.

    Es werden sich auch nach dem 1.Mai in NRW Möglichkeiten ergeben, dass Raucher sich einvernehmlich treffen und das Bier mit Zigarette genießen werden. Es wird Kneipenbetreiber geben, die das Rauchverbot erst einmal schlicht ignorieren, wer das sein wird, wird sich mit der Zeit rumsprechen. Für viele kleine Eckkneipenbetreiber, besonders diejenigen in dezentraler Lage, wird es sich betriebswirtschaftlich mehr lohnen geschlossene Raucher-Gesellschaften zu bewirten als auf rauchhassende Laufkundschaft zu warten, denn die sind auch vorher nicht in die einschlägigen Kneipen gegangen und werden es auch zukünftig nicht tun. Z.B. dank Facebook und anderen Platformen wird es möglich sein in sich geschlossenen Gruppen zu organisieren, welche dann gemeinsam die Kneipe, oder einen Nebenraum der Kneipe anmieten und dort die Raucherlaubnis in Anspruch nehmen. Dann gibt es eine schöne Gästeliste dazu und damit ist das Ganze gesetzeskonform ausgestaltet. Diese Deals mit den Wirten werden stattfinden, soviel ist sicher. Und wenn das Ordnungsamt vorbeischaut, werden die entweder nicht rein gelassen, denn eine „geschlossene Gesellschaft“ ist eine Privatveranstaltung wo nicht geladene Gäste nichts zu suchen haben, oder die bekommen aus Höflichkeit eine Gästeliste in die Hand gedrückt, wo 50 Namen und ein Gastgeber drauf stehen. Wer ernsthaft glaubt, die würden bzw. dürften jeden Ausweis von jedem Gast kontrollieren ist schief gewickelt.

    Die ersten Vorbereitungen für diese geschlossenen Gruppen laufen bereits und es wird sich weiter ausbauen, denn schließlich gibt es in NRW rund 4,5 Mio Raucher, die lassen sich nicht so einfach wegdiskriminieren, auch wenn die grüne Verbotsministerin Steffens das meint.

    Deswegen mein Tipp für alle Raucher, die auch nach dem 1.Mai gerne in einer Kneipe Bier und Zigarette gemeinsam geniessen wollen: Gründet eine denunziantensichere geschlossene Gruppe im Netz, nehmt eure Stammwirte mit dazu, organisiert Termine und dann läuft der Laden.

    Und den Rauchverbotsbefürwortern sei gesagt: Viel Spaß in der rauchfreien Gastronomie, es werden genügend Kneipen für euch übrig bleiben (gibt es heute ja schon), wo ihr als Laufkundschaft einkehren dürft, aber wundert euch nicht zu oft über das Schild „geschlossene Gesellschaft“ an der Tür.

    „Wer alles fordert bekommt am Ende gar nichts“

    • @Roland: Deine Empfehlung kann ich nicht gut heißen. Denn das ist Aufruf zum Gesetzesbruch. Man kann Gesetze schlecht befinden. Nur haben wir hier in einer Demokratie Spielregeln, ganz gleich, welche Inhalte ein solches Gesetz hat. Wenn Du Dich politisch engagierst, kannst Du Dich für die Libarilisierung einsetzen. Nur die Mehrheit sieht das anders. Also: Sich engieren, seine Meinung offen kundtun, sofern nicht die freiheitliche Grund-/Werteordnung in unserem Land nicht gestört wird. Aber bitte Spielregeln unserer repräsentativen Demokratie (auch trotz Web 2.0 & Co.) beachten!

      • Hm, jetzt ist die Diskussion ja doch wieder da… und dann auch noch diese. Regt euch nicht weiter auf, das Ding ist durch und kann leider auch nicht abgewendet werden. Die völlige Kompromisslosigkeit bei diesem Thema lässt mich in diesem Fall zwar ein wenig am Grundgedanken der Demokratie zweifeln, da es sicherlich allerlei kreative Vorschläge gibt, die beiden Seiten gerecht werden, die nicht gehört werden wollen, da fehlt mir ein bisschen die Möglichkeit zur Mitbestimmung.

        Der Gesundheitsschutz ist wichtig, ja, aber durch die Gängelei per Gesetz werde ich nicht mit dem Rauchen aufhören.

        Immer wieder lese ich: in anderen Ländern klappt es doch auch. Immer wieder lese ich aber auch: Umsatzrückgang, Kneipenschließungen. Ergebnisse von Studien und Untersuchungen hängen meist vom Auftraggeber ab und können so oder so ausgelegt werden. Ich weiß gerade nicht, wem ich glauben soll.

        Ich bin wirklich gespannt wie es dem Metronom ergehen wird, mir liegt an dem Laden so verdammt viel, und ich werde die Entwicklung genauestens im Auge behalten. Vielleicht diskutieren wir einfach in einem Jahr mal weiter. (Wenn Wirte ihre Läden dichtmachen, nicht wegen Umsatzrückgang, sondern wegen der Geräuschkulisse vor ihren Türen. Das wird noch lustig werden mit der Nachbarschaft.)

    • Leider ein Problem: In NRW sind ab 01. Mai auch Cigar Lounges und Shisha Bars verboten, ebenso das Rauchen auf Privatveranstaltungen und Brauchtumsveranstaltungen. „Geschlossene Gesellschaft“ schützt eben nicht davor, daß Kontrolleure sich – notfalls mit Unterstützung der Polizei – Zutritt verschaffen.

  5. @Stefan Sonne: Bei allem Verständnis, es handelt sich hier nicht um einen Aufruf zu einem Gesetzesbruch.

    Der Gesetzgeber hat in NRW die Ausnahme vom Rauchverbot für geschlossene Gesellschaften im neuen Gesetz klar geregelt, d.h. jeder Bürger in NRW hat das Recht dazu eine Kneipe, oder einen abgetrennten Raum in der Kneipe für eine private Feier zu mieten. Voraussetzung hierfür, ist, dass die Feier angemeldet wird (beim Wirt) und eine Gästeliste erstellt wird. Der Wirt kann aufgrund seiner eigenen Umstände entscheiden ob es sich für ihn betriebswirtschaftlich mehr lohnt, Laufkundschaft zu bedienen, oder seine Kneipe häufiger an geschlossene Gesellschaften für einen privaten Personenkreis zu vermieten. Für den einen Wirt wird sich betriebswirtschaftlich mehr die eine Variante lohnen (ich denke da besonders an kleine Eckkneipen in dezentraler Lage, deren Stammkundschaft überwiegend aus Rauchern besteht), für den anderen Wirt lohnt sich möglicherweise die Laufkundschaftsvariante. Ich zeige hier eine Möglichkeit auf, wie man über z.B. über Facebook-Gruppen diese geschlossenen Gesellschaften mithilfe der modernen Technologien unkompliziert organisieren kann und wird. Als Gastgeber kann man selber entscheiden wen man einlädt und aus welchem Anlass man feiert, und man kann im Einvernehmen mit dem Wirt entscheiden ob geraucht wird oder nicht. Viele Raucher und WIrte in NRW werden sich diese gesetzeskonforme Lösungsmöglichkeit zu Eigen machen, damit man weiterhin unbeschwert sein Bier gleichzeitig mit Zigarette geniessen kann. Es wird auch niemand gegen seinen Willen von Tabakrauch belästigt, denn nicht eingeladene Gäste werden von vornherein ausgeschlossen einen Raum zu betreten, wo nach dem Willen des Gastgebers, des Wirtes und der Gäste geraucht wird.

    Wie es letztendlich laufen wird, wird sich nach dem 1.Mai zeigen, doch warum sollte es in Deutschland anders laufen als in den anderen Ländern? Eines ist meiner Meinung nach sicher, es wird eine Menge Ärger, Diskussion und Papierkrieg geben. Und eine große Zahl von Menschen, die ein bestimmtes Bedürfnis haben, und dazu gehört nun auch einmal der Konsum von Alkohol und Tabak in Kneipen, werden einen Weg finden die drohende Prohibition zu umgehen. Beispiel: Zu Zeiten der Alkoholprohibition in den USA haben sich nach dem Alkoholverbot in Bars und Saloons sogenannte Flüsterkneipen (Schwarzgastronomie) gebildet und der Schmuggel blühte.

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