Kölle. Kölle! KÖLLE!!

Nach sechs Tagen Karneval ist die Atmosphäre in unserer Kneipe am Aschermittwoch-Morgen immer anders als in den Tagen zuvor. Biergeschwängerte Endzeitstimmung. Und Stille.

Die letzten Gäste gehen gegen 5 Uhr. Schluss, Ende, Musik aus. Dann fällt die Deko, und ca 500 Luftballons müssen zerstört werden. Das knallt. Die Theke wird geputzt, die letzten Gläser in Kartons gepackt. Jemand fegt die Melange aus Zigarettenkippen, Glasscherben, Federboa-Federn und anderem Schmodder zusammen. Alle wissen, es wird fast ein Jahr dauern, bis wir hier wieder einen Jecken sehen. Und bis wir hier wieder ein kölsches Lied hören.

Ja warum eigentlich? Et jitt su viele schöne Leeder, singen die Jungs von Cat Ballou. Die werden aber leider nur an Karneval gehört. Hab ich zumindest festgestellt. Spiel mal in einem Kölner Club an einem Freitag im Juni eine Brings-Nummer. Die Leute gucken sofort komisch. Was allerhöchstens geht, ist die FC-Hymne. Am besten aber auch nur wenn der FC gewonnen hat.

Catsalla

Jetzt haben wir ziemlich geniale kölsche Nachwuchsbands, die an Karneval rauf und runter gespielt werden. Will die einer wohl im Mai auch noch hören, wenn er zu seinem üblichen Samstag-Abend-Mainstream-Rock-Pop-Charts-Abend tanzen geht? Der Hardcore-Kölner vielleicht. Aber der versteckt sich offenbar außerhalb der Karnevalssaison in seinem Bau.

Das Tragische an der ganzen Sache ist: Das ist nicht unbedingt Karnevalsmusick, die die Jungs da machen. Das ist kölscher Rock-Pop! Da wird nicht auf die dicke Trumm gekloppt, da wird nicht jebützt und da wird auch nicht mit anderen Jecken Fastelovend gefeiert. Da geht es ums Leben, ums Träumen, ja auch ums Feiern und um eine ganze Menge Kölner Lokalpatriotismus.

Jajaja, sie sind nicht so sozialkritisch wie eine andere berühmte Kölner Band, die mit Karneval nix am Hoot hätt, aber BAP haben es geschafft, als erste und irgendwie auch einzige kölschsprachige Band 12 Monate im Jahr gespielt zu werden. Sogar in Japan.

Weil die keine „Karnevalsmusik“ gemacht haben? Hm. Verdammp lang her wird aber auch an Karneval gespielt.

Wem soll man das nur erklären?

Karnevalsnazis

Zurück in den Hexenkessel. Karneval in unserer Kneipe ist über Kölns Grenzen hinaus bekannt, darf ich mit Stolz behaupten. Wohl auch, weil wir kölsche Musik spielen, sehr viel. Es ist erstaunlich, wie streng das Karnevals-Publikum gerade in unserer Kneipe in den letzten Jahren geworden ist. Früher war das Verhältnis Kölsch-Party ungefähr 50:50. Heute wird man als DJ gelyncht, wenn man zwei Charts-Nummern spielt. Sogar bei alten, klassischen Partykrachern erntet man Chöre: „Das ist keine Karnevalsmusik!“ Andere Vollpfosten kommen und meckern rum: „Du spielst ja die ganze Zeit kein Kölsch mehr!“, wenn du EIN anderes Lied spielst. Verstrahlt und irgendwie fanatisch wirkt das manchmal.

Ja gut, denkt sich der DJ, ihr wollt kölsch, dann kriegt ihr es, die Auswahl ist schließlich riesig. Dann sind die ruhig, feiern und singen schön, alles ist gut und nach Karneval sind alle heiser.

Das funktioniert tatsächlich NUR bis Aschermittwoch. Dann ist der Spuk, der sich hier „kölscher Lokalpatriotismus“ nennt, vorbei und niemand will sie mehr hören, all die schönen Lieder über Kölle, die Hüsjer un dr Dom, un singe supertolerante Minsche. Erst wieder am 11.11.

Schade. Schade.

Dazu hätte ich hier ein einen Videotipp.

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