Grimmepreis. Raucherräume. Ein alter Mann.

Während der #aufschrei seinen Job getan hat und immer noch tut, gibt es in diesen Tagen weiteres Gezeter – ohne Ende, wo man auch hinschaut.  

Das Dschungelcamp ist für den Grimmepreis nominiert. Himmel, die Kulturwelt würgt, in einer Talkshow reißt eine deutsche Schauspielerin einem ehemaligen Dschungelkönig den Kopf ab, das Feuilleton spuckt verächtlich aus, in Medien- und Kultur-Blogs stellt man sich die Frage: Geht’s noch?

Der Direktor des Grimme Instituts Uwe Kammann sagt dazu in einem Interview mit Zeit- online folgendes: „Das ‚Dschungelcamp‘ ist ein gruppenpsychologisches Experiment, spannend bis zum Ende, weil es immer überraschend bleibt. Es gibt viele ironische Brechungen in den Moderationen und ausgefeilte Inszenierungen. Die Kamerafahrten, das gesamte Set und die Improvisationen gelingen. Vielleicht ist das Dschungelcamp die letzte Möglichkeit des Lagerfeuerfernsehens, so wie es sonst nur noch ‚Wetten dass‘ bieten kann. In der Summe ist es eine besondere Unterhaltung.“

That’s it. Es ist gutes Handwerk. Perfekt inszeniert, unter anderem auch mit äußerst fähigen Musikredakteuren, die mich immer wieder mit intelligent eingesetzter Musik überraschen. Ich beobachte das schon über Jahre, denn, ja, ich bin ein bekennender Fan.

Ein wahrer Aufreger

Der nordrheinwestfälische Landtag hat im Dezember 2012 beschlossen, dass das Nichtraucherschutzgesetz ab 1. Mai 2013 in Kraft treten wird, ausnahmslos, ich mag gar nicht mehr darüber sagen, es ist und bleibt scheiße, und wirklich protestieren tut ja auch keiner. Dennoch lese ich Verfassungsbeschwerden und Kommentare auf einschlägigen Seiten, finde keinen Hoffnungsschimmer, dafür aber zu meinem größten Erstaunen heraus, dass im Düsseldorfer Landtagsgebäude extra Raucherräume eingerichtet werden. Nu frag ich mal: Geht’s noch?

Rock’n’Roll mit rollendem R

Und drittens überschlägt sich die Musikwelt über eine neue Platte. Ich habe noch Probleme damit, sie ernst zu nehmen. Da wirft sich ein 73-Jähriger in eine schwarze Lederweste mit Nieten drauf, färbt sich die silbergrauen Haare noch mal platinblond und zeigt eine totenkopfberingte Faust – Heinos neue Platte heißt „Mit freundlichen Grüßen – Das verbotene Album“.

Hua.

Heino covert Rammstein, die Ärzte, OOMPH, die Fantas und Sportis, ja auch Peter Fox. Einige meiner DJ-Kollegen zucken schon. Marco grinst breit und sagt: „Bei Ein Kompliment hat’s mich zerrissen :-D“. Ich bin ja eher hin- und hergerissen zwischen Fremdschämen und „Respekt, alter Mann“. Reinhören kann man ja schon, kaufen kann man das Ding ab dem 1.2. Ich wette, das gibt Platz 1.

Hm. Schade, dass darüber ein bisschen vergessen wird, dass es jetzt auch eine neue Platte von Tocotronic gibt. Die singen auch auf deutsch, ganz ohne großes Medienrauschen.

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