Auch das noch. Ein Tatort.

Oh Mann. Zwischen Dschungelcamp (Respekt, kleiner Joey!) und Sexismus-Debatte jetzt auch noch dies: Ein neuer Tatort.

Es gibt ja viele neue Tatorte in letzter Zeit, was ich nicht verkehrt finde. Aber manchmal denke ich mir schon: Muss das sein? Je neuer, um so abgedrehter? Im März steht uns jetzt noch Til Schweiger als Nick Tschiller (ich muss grinsen) ins Haus, der als eine Mischung aus Bruce Willis und Jack Bauer daherkommt, blutbeschmiert mit fetter Knarre – so zumindest sehen die ersten von der ARD veröffentlichten Screenshots aus.

Aber darüber will ich hier gar nichts sagen, denn wir haben es ja alle noch gar nicht gesehen. Der neue Saarbrücker Tatort mit dem wirklich fantastischen Devid Striesow und dem wirklich unterirdischen Drehbuch hat mich zu einer kreativen Höchstleistung inspiriert, die ich euch nicht vorenthalten möchte.

Ich werde einfach selber einen neuen Tatort generieren. Hier und jetzt.

Die Rollen:

Kommissar: Frau. Melissa Kleinmann. Ende 30, rot gefärbte Rastahaare, Piercing an der Unterlippe. Lebt mit zwei Männern, ihrem 6-jährigen Sohn und den zwei pubertierenden Töchtern ihrer Lebensgefährten in einer Bauwagensiedlung. Hasst ihre Dienstwaffe.

Partner: Frau. Daniela Hertz, Anfang 30. Lebt im Vorort zusammen mit ihrer demezkranken Mutter, die sie in ihrer Freizeit pflegt. Keine Kinder. Kurze schwarze Haare, dezent geschminkt, drahtiger Körper, rennt nur in Schwarz rum. Lacht in der Regel nicht. Ihre einzige Ablenkung: Auspowern im Überhang der Kletterhalle.

Staatsanwalt: Mann. Der übliche Giftzwerg, der nur darauf aus zu sein scheint, die Bemühungen der Kolleginnen von der Kripo zu torpedieren.

Story:

Kleinmann betritt am ersten Arbeitstag das Büro und wird sofort verhaftet, weil man sie versehentlich für eine gesuchte Drogendealerin hält. Nach wenigen Minuten jedoch klärt sich die Situation. Während Kleinmann sich einen Kaffe zieht und eine rauchen geht, lästern die Kollegen, selbstverständlich.

Szenenwechsel.

Ein Mädchen läuft keuchend durch die Dämmerung und blickt immer wieder gehetzt hinter sich. Es herrscht Nebel.

Szenenwechsel.

Hertz sitzt weinend vor ihrer Mutter, die sie unaufhörlich anschreit, dass sie endlich verschwinden soll. Hier zeigt sich sehr schnell: Die arme Frau hat definitiv nicht viel Spaß im Leben.

Szenenwechsel.

Immer noch rennt das Mädchen durch den düsteren Nebel. Überflüssig zu sagen, dass sie nur ein zerfetztes T-Shirt trägt und offensichtlich verfolgt wird.

Szenenwechsel.

Kleinmann und Hertz treffen im Büro aufeinander. Und zwar so:

Kleinmann hat noch keinen funktionierenden Schreibtisch, setzt sich daher an den von Hertz. Das Telefon klingelt, ein Mord wird gemeldet, Hertz kommt rein, guckt erstaunt und fragt sich, was die Rastafrau da an ihrem Schreibtisch macht. Die beiden stellen sich einander vor: Ach Sie sind das – ach sie sind das – dann duzen sie sich und stürzen sich ohne große Worte zu verlieren auf den Fall. Wir sehen schon: Hier sind zwei völlig verschiedene Frauen am Start, die eins gemeinsam haben: Sie arbeiten ergebnisorientiert.

Es geht natürlich um eine Ehrendmordgeschichte. Oder auch um Menschenschmuggel. Um Mädchenhandel, Kinderprostitution oder Drogenmissbrauch. Es könnte auch ein Familiendrama sein.

Das ist eigentlich egal. Wie wir uns schon denken konnten, rennt das Mädchen nicht mehr lange rum, wird tot aus dem Kanal gefischt, man findet Drogen in ihrem Blut und Pizza im Magen. Man hat die Ndrangheta im Verdacht, deren örtlicher Chef die komplette Restaurant- und Clubszene kontrolliert, dessen rechte Hand mit einer Spritze im Arm im Bahnhofsklo gefunden wird – auch das kein Selbstmord. Kleinmann und Hertz mischen die komplette Szene auf, ermitteln, pflegen Mütter, ermitteln, schlafen mit ihren Männern, ermitteln, gehen extemklettern, ermitteln, streiten sich mit pubertierenden Waldorfschülerinnen, ermitteln bis sie den Mörder finden: Es war – welch Überraschung! – der eifersüchtige Freund des Mädchens, der den Mord den Italienern in die Schuhe schieben wollte, weil er sich letztens an einer Thunfischpizza den Magen verdorben hatte. Oder so.

Wir erleben noch eine Autojagd, bei der aus fahrenden Autos geschossen wird und tatsächlich auch eins in die Luft geht. Mit einem großen Feuerball. Wie bei den großen Vorbildern vom RTL (danke, Sonja) und aus Amerika kommen auch hier offenbar keine Menschen zu Schaden, obwohl ganze Straßenzüge abgeräumt werden.

Außerdem wird mindestens eine der beiden vom Polizeichef, nein von der Polizeichefin vom Dienst suspendiert, weil die psychische Belastung zu groß ist – das Übliche eben. Selbstverständlich ermittelt die Lady auf eigene Faust weiter und wird von ihrer Kollegin heimlich unterstützt.

Hertz und Kleinmann verlieren nicht viele überflüssigen Worte. Beide sind Freaks, beide haben Stress zu Hause. Sie freunden sich ein bisschen an, verstehen sich fast blind – auch Frauen können harte Kerle sein.

Noch ein Klischee? Also gut. Kleinmann überwindet ihre Angst vor der eigenen Dienstwaffe, als sie dem Übeltäter gegenübersteht, der sie mit einem Schnellfeuergewehr bedroht. Sie schießt ihm ins Knie und fängt an zu weinen. Hertz nimmt sie in den Arm.

Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Ach so, ich habe natürlich die Besetzung vergessen. Kleinmann wird gespielt von Franca Potente, Hertz ist Nora Tschirner. Der Staatsanwalt ist Christoph Maria Herbst und die Polizeichefin ist Veronica Ferres. Der Mörder ist Matthias Schweighöfer und der Mafiaboss…mmmmuuuuahahahhha…Mario Adorf, gell?

So könnte es klappen.

 

Tatort-Foto: © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)

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