Fett. Dunkel. Schattig.

Es gibt gar kein Sommerloch. Es gibt nur ein Neujahrsloch. Dieses Jahr ein ganz extrem tiefes. Ich erkenne es an drei Dingen.

Erstens ernte ich, was ich in den letzten Wochen gesät habe. Die Samen aus Glühwein, feuchtfröhlichen Feierlichkeiten, Jahresendgelagen, tollen Abenden mit tollen Menschen – sie sind alle aufgegangen, gedeihen prächtig und wiegen zusammengezählt so ungefähr FÜNF Kilo. So eine Ernte ist anstrengend, voller Entbehrlichkeiten, harte Arbeit, Wasser, Gemüse, keine Muffins mehr von neuen Kolleginnen, Ende, aus, das Startgewicht muss wieder her.

Zweitens: Es wird gerade nicht hell. Es will nicht hell werden. Es bleibt dämmrig. Ich verstehe langsam, warum die Menschen in Island oder Skandinavien so bekloppte Musik schreiben. Das muss einfach am Licht liegen. Ich hab auch schon so komische Songs im Kopf.

Drittens: Ich lese merkwürdige Bücher. Ich, ja, ich schäme mich nicht zu sagen, dass ich gerade den zweiten Teil von „Shades of Grey“ lese. Meine Schwägerin hat mir die insgesamt drei Bücher buchstäblich (ha!) aufgedrängt, obwohl ich mich eigentlich mit Händen und Füßen gegen diesen Mist gewehrt hatte. Und dann begann ich zu lesen, schließlich hatte ich frei. Und all meine Vorurteile gegen diesen 2000 Seiten starken Fortsetzungsgroschenroman bestätigten sich.

Heieiei.

Die Hauptperson ist ein Traumtyp, der supermegahammermäßig aussieht, er hat so viel Geld, dass er nicht weiß wohin damit, er hat Autos, Yachten, Häuser. Selbstverständlich hat er auch ein prächtiges Gemächt und kann immer. Aber – oh Gott! – er ist gestört, weil er eine grauuuusige Kindheit hatte. Er fesselt seine Frauen gerne und verprügelt sie beim Sex und ist überhaupt beziehungsunfähig. Und da ist offenbar jetzt eiiiiine Frau, die den Typ umkrempelt, wahrscheinlich weil sie andauernd „in tausend Teile zerspringt“, wenn sie kommt. Und das tut sie auch ständig, egal was der Typ mit ihr macht. Der jedenfalls scheint handzahm zu werden und wahrscheinlich werden die auch heiraten und Kinder kriegen und in eine Villa an der Riviera ziehen mit Palmengarten und Blick auf alle sieben Weltmeere.

Nun ja, also das ist schon echt einfach gestrickt aber es gibt eben haufenweise diese „Stellen“, wo’s zur Sache geht und eine halbwegs interessante, wenn auch sofort durchschaubare Handlung auf dem Niveau einer Telenovela. Am lustigsten ist es aber, dass sooooo viele Frauen das lesen und offen darüber sprechen, hach, das ist so herrlich frivol. Boor, man liest Porno mit SM-Kram, seeeehr verrucht. Also, öh, da gibt’s weitaus Spannenderes.

Ich habe ja eigentlich gedacht, ich würde mich schämen, jemals so was zu schreiben. Dass ich mir lieber weiter hier den Popo aufreiße in der Hoffnung, dass ihr mein Zeug gerne lest und es vielleicht auf Facebook teilt.

Aber nein! Besser: Ich werde WOHL so was schreiben! Also das kriege ich noch hin. Ich mache das selbstverständlich unter einem Pseudonym, klar. Dann verkaufe ich die Scheiße millionenfach und lache mir ins Fäustchen. Das macht die Tante, die den Kram geschrieben hat, wahrscheinlich jetzt auch, denn bestimmt ist sie in Wirklichkeit eine ernstzunehmende Autorin, die reihenweise mit Literaturpreisen überhäuft wurde, damit aber kein Geld verdienen konnte. Gut, ich bin weit weg von Literaturpreisen, aber das soll mich doch nicht daran hindern, mit meinem Bestseller anzufangen. Echt. Das ist doch mal ein Vorsatz fürs neue Jahr.

Da ist gerade ein Streifen blauer Himmel zu sehen.

Mein Magen knurrt ein bisschen.

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