Kniefall vor einem Dönerspieß

Wir bekommen was Neues in unserer Straße.

Wir wohnen im beliebtesten Kölner Studentenviertel, das allerdings weniger bei Kölner Studenten beliebt ist als eher bei wochenendlichen Partypeople aus dem Umland. Gefühlt.

Aber warum auch nicht – wir haben hier einiges zu bieten: Die Partymeile ist so ungefähr 250 Meter lang. Auf diesen 250 Metern gibt es ALLES. Also auch ein Bestattungsunternehmen, einen Biofriseur, ein Programmkino, eine Spielhölle und sogar eine Kirche. Jedes zweite Ding aber ist eine Fressbude. Weil man ja zwischendurch auch mal was zwischen die Zähne braucht, sonst fällt man beim Feiern doch vom Fleisch. Für jeden ist hier gesorgt, hier wird jeder satt und besoffen. Dafür sorgen jede Menge Kneipen und Bars, Bistros und Schnellimbisse. daunter gefühlte 10 Asia-Imbisse, ein bis vier Griechen, und gefühlte 20 Dönerbuden.

Hier ist echt was los.

Vor einem Jahr machte eine uralte Fußballkneipe hier zu. An prominenter Stelle. Obwohl es eine Werder-Kneipe war, fanden viele Eingeborene das schade. Weil wir alle befürchteten, dass etwas Schlimmes da rein kommen könnte. Also eine weitere Spielhölle vielleicht. Oder noch ein Billigbistro. Oder vielleicht ein Kiosk. Nein, besser noch: Es wird eine Dönerbude. Eine richtig große.

Direkt gegenüber von einer anderen Dönerbude und von einem Thai-Imbiss und einem Griechen. Stimmt, da fehlte eigentlich immer schon eine Fressbude an der Ecke da. Endlich ist diese Lücke geschlossen. Gut gemacht.

Noch ein Laden, in dem es Kebapsandwiches, Falaffeldürüm, Fritten und Dönertaschen gibt. Eine weitere Küche, deren Produkte demnächst als halbverdauter Auswurf vor den Hauseingängen der Anwohner liegen. Eine Kulturschande, nicht aufgrund der unappetitlichen Breie auf den Bürgersteigen, nein, dramatischer noch ist diese Erkenntnis: Die kulinarische Vielfalt hier im Viertel droht vor einer Handvoll Dönerköche in die Knie zu gehen.

Ein solcher Mangel an Weitsicht der zuständigen Beamten bei der Vergabe der Konzessionen irritiert mich.

Obwohl: Wir sind ja in Köln. Vielleicht wohnt der verantwortliche Stadtbeamte ja gegenüber und isst gerne Kebapsandwiches, mag diese aber nicht von dem einen Dönermann da gegenüber, weil der ihm mal beim Ausladen aus Versehen die Tür seines Lieferwagens in die Seite gerammt hat. Vielleicht geht er auch mit dem neuen Dönermann öfter in die Sauna, die Frauen besuchen den gleichen Nähkurs oder die Kinder verstehen sich gut. Man weiß es nicht. Aber wir sind ja in Köln.

Hier, in einer Stadt, in der ein paar ahnungslose Bauarbeiter Kirchtürme beinahe fällen und ganze Gebäude komplett versenken können, weil da irgendeiner beim Bauaufsichtsamt im richtigen Moment weggeguckt hat, ja, hier hat auch die 21. Dönerbude in der Nachbarschaft von gefühlten 20 Dönerbuden noch echte Chancen.

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