#Heiliger @Bimbam!

Gegrüßet seist du, oh Twitter, voll der Gnade,
der Papst ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Social Media,
und gebenedeit sind die Tweets deiner Community.

Jetzt ist es passiert. Der Papst hat zum ersten Mal getwittert. Die Community in Aufruhr. Was sage ich, DAS GANZE NETZ in Aufruhr! 100.000 neue Follower pro Stunde! Jünger. Unter den gut 700.000 (Stand 12.12. um 13:00) sind aber auch Sascha Lobo und ich. Der eine ist im ganzen Internet bekannt und tut sich nicht in erster Linie als gläubiger Katholik hervor sondern als kluger und umstrittener Netz-Kenner, Netz-Zyniker und Netz-Schreiber, ein Schelm, wer da Böses vermutet, wenn er Sascha Lobo unter den Twitter-Jüngern des Papstes entdeckt.

Ich bin nicht katholisch. Ich bin nur neugierig. Und habe mich im Vorfeld dieses ersten Tweets des Papstes an den Twitter-Einträgen zum Thema ergötzt. Die einzig wichtige Frage des Tages lautete natürlich, wie denn der erste Tweet von @vatikan lauten würde.

Am besten gefiel mir ja „urbi@orbi“

Doch Benedikt schrieb, völlig überraschend bereits um 11:30: „Dear friends, I am pleased to get in touch with you through Twitter. Thank you for your generous response. I bless all of you from my heart.“

Wie lieb.

Reaktionen aus aller Welt verstopften die Twitterseite. Leute, die sich echt gefreut haben. Böslinge natürlich auch, die freches Zeug schrieben, Zweifler, Zyniker und Beobachter waren selbstverständlich auch am Start.

Was soll man dazu sagen?

Dann hab ich natürlich überlegt, ob ich dazu einen Artikel für dw.de schreiben soll. Habe mich entschlossen es nicht zu tun. Weil es doch eigentlich nicht wirklich so ’ne dolle Sache ist. Auch wenn Papst Benedikt kurz danach noch zwei weitere Tweets rausgehauen hat und das Ganze jetzt noch ein klein wenig spannend ist, werde ich mich wohl aus der Reihe seiner Followers wieder ausklinken. Ich möchte auch nicht dazu aufgerufen werden, zu beten und auf das Evangelium zu hören.

Obwohl. Wenn ich dann mal ne Frage habe, kann ich dann vielleicht doch mal was schreiben? Als Direktnachricht? Zum Beispiel, ob er sich das alles selber ausdenkt und ob er das selber auch alles schreibt? Das habe ich schonmal beim FDP-Lindner gemacht. ich hab den gefragt, ob er denn wirklich alles selber schreibt. Und der schrieb zurück, tatsächlich: „Meist ich selbst, manchmal auch Team. Aber keine Nachricht, die ich nicht freigegeben habe.“

Ein kleiner Zwiespalt

papst mit iPadAber eigentlich würde ich den Papst lieber etwas anderes fragen. Zum Beispiel wie das so ist mit der Moderne. Einerseits mit iPads hantieren und lustig herumtwittern, andererseits diese unsägliche Haltung zu den Themen Frauen, Verhütung, Homosexualität, Abtreibung und Sex im Allgemeinen, sowie die Frage der Ökumene, meine Güte, da muss man aber nochmal dran arbeiten.

Natürlich hat Papst Benedikt einen Social-Media-Menschen an der Seite. Der befasst sich auch mit solchen Fragen. Der wird sie auch irgendwie beantworten. Vieles davon wird der Papst ihm sicher auch diktieren. Dieser Social-Media-Mensch des Papstes heißt Monsignore Tighe. Der wurde unlängst von der Bloomberg Business Week folgendes gefragt: „So Twitter is a new place to preach?“ Der Monsignore antwortete darauf: „It’s almost like the equivalent of the old marketplaces where Jesus went to engage people. That’s where we have to be, with all of its ambiguities and difficulties, because that’s where the people are.“

Ah. Da bin ich also, im Internet. Und jetzt auch Gott, zumindest sein Vertreter. Noch kann ich ihm aus dem Weg gehen. Soll Seine Heiligkeit ruhig Psalme verschicken und zum Gebet aufrufen. Ich muss es ja nicht lesen.

So sei es nun, @pontifex, twittere in Frieden.

@men.

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