Einen Moment Geduld

Letztens hörte ich einen sehr interessanten Beitrag auf WDR5 über Musik als Kriegsinstrument. Man setzte Musik in der Antike schon als Kommunikationsmittel ein, dann als Motivationsmittel, als Gleichschaltungs- und Verblendungsmittel und schließlich entdeckte man ihre Funktion als Folterinstrument.

Es gibt die vielfältigsten Musikarten, mit denen man Ohren beleidigen kann, man muss nur das Radio anmachen. Weit über eine harmolse Ohrenbeleidigung hinaus geht das, was man unter anderem in Guantanamo praktiziert hat: Die Folteropfer wurden in dunkle Zellen gesteckt. Kein Essen, kein Licht, keine Ablenkung. Nur zwei Boxen mit Musik. Oder Kopfhörer. Schalldruck: mehr als 110 dB, das schmerzt. Egal, was da läuft. Da können auch sanfte Debussy-Klänge zur Marter werden. Sehr beliebt auch: auf jedes Ohr jeweils ein anderer Sound. Links Gabba-Techno und rechts ein Kinderlied.

Nach 72 Stunden bist du gebrochen.

Vielleicht mag es etwas unverhältnismäßig sein, wenn ich nun von der psychischen Veränderung spreche, die bereits zwei Minuten nach dem Anruf bei einer Telefon-Hotline eintritt.

Metamorphose

Man gibt sich zunächst noch gelassen. In den ersten 30 Sekunden lässt man die Musikschleife an sich vorbeiziehen. Eine freundliche Stimme weist einen darauf hin, dass die nächste freie Leitung bereits „für Sie reserviert“ sei. Man ist geneigt, das auch zu glauben. Doch mittlerweile ist eine Minute vergangen. Langsam schwillt der Kamm.

Nun gibt es genau zwei Möglichkeiten: Erstens: Schadensbegrenzung. Man legt jetzt schon auf, damit man sich nicht den restlichen Tag versaut. Zweitens: Man lässt sich treiben, immer weiter hinein in den Aggressionsstrudel. EINMAL NOCH DIESE STIMME UND ICH BESUCHE NETCOLOGNE PERSÖNLICH MIT KNARRE IM ANSCHLAG!!

Nanana. An dieser Stelle sei mir ein kleiner Tipp erlaubt. Telefon auf Lautsprecher stellen. Hörer hinlegen. Bügeln, Kaffee trinken, Facebook checken, FreundIn küssen.

Ganz kurz nur: Bei Ikea geht das nicht. Die Schweden zwingen dich, mit einer Maschine zu sprechen. Und die ist nicht so schlau wie SIRI. Die ist nur penetrant nett und fröhlich und dabei grottendoof. Die versteht dich einfach nicht, auch dann nicht, wenn du geifernd in den Hörer schreist: ICH WILL ENDLICH VERDAMMT NOCHMAL NEN ECHTEN MENSCHEN AM ROHR HABEN!

Hier kann ich nur raten: Gar nicht erst versuchen. Hingehen. Aber blooooß nicht samstags. Das aber ist eine andere Geschichte.

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